Das bin ich

Hallo! Mein Name ist Biene und ich freue mich sehr, dass Du den Weg hier hergefunden hast und mich kennenlernen möchtest. Aber das soll kein einseitiger Weg sein! Ich freue mich auf einen Austausch und möchte auch deine Geschichte hören. Und nun, erzähle ich Dir meine:

Ich war 15 Jahre alt, als er das erste Mal zu Besuch kam: der Winter. Er hüllte mich in tiefe Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit. Hinzu kam ein abgrundtiefer Selbsthass der sich wie ein Ölfilm auf alle meine Gedanken legte. Ich begann zu hungern. Das war mein Einstieg in ein jahrelanges Martyrium indem ich meiner Seele und meinem Körper selbst Leid zufügte. Vier Jahre nachdem der Winter bei mir einzog, erlag ich ihm. Ich versuchte mir das Leben zu nehmen. Doch etwas in mir wollte noch nicht aufgeben und so kämpfte sich mein Körper ans Licht zurück. Ich kam in eine Klinik und erfuhr zum ersten Mal professionelle Hilfe. Mit der Diagnose „Borderline“ konnte ich zunächst nicht viel anfangen, doch im Laufe der Jahre die mit mehreren Klinikaufenthalten geschmückt waren, verstand ich immer mehr und mehr was mit mir los war. Ich habe also eine emotional instabile Persönlichkeit, hatte in meiner Kindheit und Jugend keinen Rückhalt und keine wirkliche Nestwärme erhalten und war so machtlos gegen die alltäglichen Stürme, die so ein Teenager eben einstecken muss. Mit Mitte 20 kam ich dann in eine Spezialklinik und dort erhielt ich endlich Hilfe zur Selbsthilfe. Ich lernte, dass mich meine „Störung“ ein Leben lang begleiten wird, dass sie nunmal ein Teil von mir ist und dass es nichts bringt gegen sie anzukämpfen. Vielmehr sollte ich lernen sie zu akzeptieren und einen Weg finden, mit ihr zu leben. Und ich fand diesen Weg.

Heute bin ich Mitte 30 und lebe zusammen mit 2 Katzen in einer gemütlichen Wohnung am Rande einer Großstadt. Ich habe mich mit meiner Familie ausgesöhnt und habe inzwischen wieder einen engen Kontakt. Hinzu ist ein stabiler Freundeskreis gekommen und ein Beruf, der mir Freude macht. Ich gehe (meistens) gut mit mir selbst um. Selbstbestrafungen wie Hungern, sozialer Rückzug oder auch körperliche Verletzungen gehören der Vergangenheit an. Im Großen und Ganzen bin ich ganz zufrieden mit mir und meinem Leben. Doch der Winter bleibt mein ständiger Begleiter…

Auch heute habe ich noch oft zu kämpfen, wenn auch längst nicht mehr so machtlos wie damals. Doch die Depressionen, die emotionale Achterbahn und auch die starken Selbstzweifel bleiben ein Teil von mir. 

Nachdem ich in den letzten 3 Jahren ein energiezehrendes Projekt durchgezogen habe, hatte ich das Gefühl, Zeit für mich zu brauchen. Zeit, um mich wieder zu flicken. Ein halbes Jahr lang, habe ich mich zurückgezogen und eine Art Retreat gemacht. Seit August 2020 bin ich wieder zurück in der Außenwelt und bemühe mich nun, das was ich geflickt habe, auch in der Außenwelt zusammen zu halten.

Du siehst also, ich habe zwar schon eine Menge geschafft und habe mir einen gemütlichen Garten geschaffen, doch es gibt noch viele Baustellen. Und wenn Du Lust hast, dann begleite mich doch bei meiner Gartenarbeit. Ich freue mich auf Deinen Besuch.

Deine Biene