Vielleicht musste ich mich erst verlieren, um mich zu finden

"Ich schaue zurück. Sechs Monate sind inzwischen vergangen. Zerrissen und verloren fand ich mich am Boden liegend. Erschöpft, leer und so schmerzhaft weit von mir entfernt, dass ich mich selbst nicht mehr erkannte. Wer war dieser Mensch dort im Spiegel? In meinem Herzen spürte ich eine klaffende Wunde. Unstillbar brannte sich dort eine Sehnsucht ein, die zu verstehen ich nicht im Stande war. Ich war leer und ausgebrannt. Mein Ich lag in tausend Scherben vor mir am Boden." [...]

Ein Winzling zwischen Baumriesen

Familie - zwischen Geborgenheit, Liebe und tiefreichenden Triggern - "Später am Tag: Die Decke um mich geschlungen rase ich durch den Garten und versuche dem Hagel auszuweichen. Durchnässt vom strömenden Regen, zerzaust vom Wind mit schmerzenden Kratzern versehen. Angekommen auf der sicheren Veranda drehe ich mich schockiert um. Was war passiert? Ich starre zu meinem Wäldchen hinüber. Aus sicherer Entfernung wirkt es friedlich. Die Kronen wiegen sich sanft im Wind. Ich reibe mir die Augen und kann es nicht verstehen. " [...]

Barfuß über Glasscherben – kannst Du die Blumen sehen?

Angst vor Schmerzen vs. Neugier aufs Leben - "Erschöpft sitze ich auf einem Stuhl in meinem Gewächshaus. Die Ellenbogen auf die Knie gestützt, den Kopf in den Händen versunken. Still horche ich der beruhigenden Melodie des prasselnden Regens auf dem gläsernen Dach. Die Tropfen scheinen zu tanzen, ehe sie sich zu einem Schleier verbinden und das Dach hinabströmen. Außer dem Regen und meinem leisen Atem ist kein Laut zu hören. Nichts, was von außen zu mir hinein dringen könnte. Meine Welt schrumpft auf diese kleine gläserne Hülle. Ganz so, als würde die Welt enden, dort hinter den gläsernen Wänden. Kurz beruhigt mich dieser Gedanke, doch als ich den Kopf hebe, sehe ich Schatten hinter dem Schleier aus Regentropfen. Dunkle Schatten. Schnell verstecke ich meinen Kopf zwischen den Knien und schlinge meine Arme fest darum. Hier kann mir keiner was. Hier können die Schatten nicht herein. Hier bin nur ich." [...]

Ich will eine Glaskuppel um meinen Garten!!!

Leben in einem geschützten Rahmen "Ich stehe an einem Scheideweg und das macht mir Angst. Das macht mir so große Angst, dass mir der Angstschweiß in die Augen fließt und meinen Blick verschleiert. In den letzten Monaten habe ich viel erreicht. Ich habe aufgeräumt in meinem Inneren. Habe mich gefragt, wer ich bin, was ich will und was ich nicht will. Wie will ich leben? Wie kann ich leben? Seit zwei Wochen habe ich das Gefühl, diese Arbeit im Großen und Ganzen abschließen zu können. Klar, es gibt immer noch einiges, an dem ich arbeiten kann und auch will, aber das braucht vielleicht noch etwas Zeit und auch die richtige Gelegenheit, um es angehen zu können. Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter?" [...]

Gartenruine – Abreißen oder reparieren?

Wie oft kann man etwas reparieren, bis es nicht mehr hält? - Vorsichtig schaue ich mich um. Gewütet hat der Wind. Verstreut finde ich auf dem Rasen Äste und Blätter, umgeknickt sind viele Blumen. Die Fische peitschen unruhig an der Oberfläche, um den Kompost liegt halb kompostiertes verstreut. Dann fällt mein Blick in die Ecke mit den Blatthaufen, die ich dort in den letzten Jahren sorgsam aufgeschichtet habe. Zumindest waren sie dort. Jetzt liegen die Blätter im ganzen Garten verstreut. Dort wo sie lagen, kommt nun etwas anderes zum Vorschein: ein Schutthaufen. Scherben, eingestürzte Mauern, Eisenstangen, Bretter. Schmerzend schnappe ich nach Luft. Mein so ordentlich aufgeräumter Garten, hat nur versteckt, was ich nicht sehen wollte. Verschüttet. Vergessen. Und doch immer dagewesen. [...]

Der undurchdringliche Nebel

Willkommen Depression "Ein grauer Schleier, raubt mir die Sicht. Ich höre Stimmen, doch sehen, kann ich nur dunkle Schatten hinter der Nebelwand. Sie rufen mir etwas zu, doch ich kann sie nicht verstehen. Der Nebel verzerrt ihre Stimmen. Ich laufe auf die Schatten zu, will die Nebelwand durchbrechen. Doch meine Beine werden schwer. Der Nebel hält mich zurück. Er lahmt meine Muskeln und legt sich schwer auf meine Glieder. Ich rufe den Stimmen zu, doch sie antworten nicht. Ich versuche es wieder, forme mit meinen Händen einen Trichter vor meinem Mund und brülle aus Leibeskräften. Ich lausche meiner Stimme, nicht mehr als en Krächzen. [...]

Ein Regal voller Erdpflege

Körperpflege - was brauche ich wirklich? "Es knirscht und knackt unter meinen Füßen. Seitdem der große Regen vorbei ist, ist die aufgeschwemmte Erde ausgetrocknet. Ihre Oberfläche zeigt tiefe Risse und ich kann die Spannung förmlich spüren. Einiges habe ich schon versucht, um ihr zu helfen. Habe sie gegossen - das Wasser versickerte spurlos in den tiefen Rissen, habe versucht sie durch Umgraben aufzulockern - der Spaten schlug auf die Erde wie auf Granit, ich düngte sie - doch der Wind blies den Dünger weg... Was ich auch tat, die Erde ignorierte meine Versuche, ihr zu helfen. Zeit für eine Bestandsaufnahme." [...]

Die Schafe weiden mit einem Bein auf der Flucht

Kann man den Moment festhalten? - "Ich tauche ganz in diese friedliche Szenerie ein. Bin berauscht von ihr und möchte sie am liebsten für die Ewigkeit festhalten. Kurz überlege ich, mein Handy zu holen, um ein Foto zu machen. Doch würde ich aufstehen, würde ich die Friedlichkeit dieses Moments zerstören. Und, was fängt ein Foto schon ein? Nichts außer Formen und Farben. Keine Geräusche, keine Gefühle... Ein Foto ist nur ein billiger Abklatsch von einem wunderschönen Augenblick. Es ist, als würde man ein herrliches Essen genießen und am Abend, beim Zähneputzen, noch ein Stückchen davon zwischen seinen Zähnen wiederfinden. Dieses Stückchen, ist das Foto. Es wäre nichts, ohne die Erinnerung dahinter. Ich zucke kurz bei dem Gedanken. Ganz unmerklich. Doch es reicht aus, um die Szene zu zerstören." [...]

Den Garten aus einem anderen Blickwinkel betrachten

Wenn Dir nicht gefällt, was Du siehst, schau durch ein Kaleidoskop "Nebel hängt dicht über dem Boden. Der Himmel ist grau. Die Wolken hängen tief und die Luft ist so klamm, dass ich kurz überlege, die Wäsche an der Luft zu waschen. Ich habe eine dicke Steppdecke eng um meine Schultern geschlungen, sie mir sogar über den Kopf gezogen. Es ist kalt. Es ist ungemütlich. Ich mag nicht hier sein. Aber ich muss. Denn ich weiß, dass die Arbeit nur schwerer wird, je länger ich sie liegen lasse. Ich weiß, dass ich da durch muss. Mich fröstelt es. Ich ziehe die Decke noch enger, halte die Tasse mit heißem Kaffee unter meine Nase. Selbst der ist beim Anblick des Gartens nur noch lauwarm." [...]

Windstärke Rot

Druck - Wo kommt er her? "Mutlos starre ich nach dem strömenden Regen der letzten Tage in den Garten. Die Blumen lassen die Köpfe hängen, der Boden ist aufgeweicht und so schwammig, dass er kaum einen Schritt trägt, die Tiere haben sich verkrochen vor dem kalten Nass, vor der Tür zum Gartenhaus liegt ein dicker Ast und versperrt den Zugang, der Komposthaufen ist unter der Wasserlast aufgebrochen, der Teich über sein Ufer getreten, der Apfelbaum hat seine Äpfel abgeworfen, das Gemüsebett ist unterschwemmt und der Nebel steht so dicht, dass ich meine Bäume und Sträucher nicht erkennen kann. So viel Chaos... so viel zu tun. Seufzend lasse ich mich auf den Verandastufen nieder. Wo soll ich nur anfangen? Wie soll ich an mein Werkzeug kommen, wenn der Zugang zum Gartenhaus versperrt ist? Wie soll ich überhaupt den Garten betreten, wenn jeder Schritt zur Rutschpartie wird und dem Boden unter meinen Füßen schadet?" [...]