Der Duft der Blüten – lieblich, betörend, unliebsam

Wir sind ein Spiegel derer, mit denen wir uns umgeben

„Ich liebe Dich,
nicht nur,
weil Du bist, wie Du bist,
sondern,
weil ich bin, wie ich bin,
wenn ich bei Dir bin.“
~Unbekannt~

Eine Decke in der einen und einen Korb mit frischem Tee und Cupcakes in der anderen Hand schlendere ich, auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen für eine Pause, durch meinen Garten. Mich zieht es zu den Sträuchern und Büschen, die, mal breit und buschig, mal aufrecht und sparrig, entlang des Gartenzauns wachsen. Im Laufe der Jahre, habe ich hier immer mal wieder ausgemistet. So mancher starb ab, den ein oder anderen riss ich aus, weil er den anderen die Luft zum Atmen nahm oder weil ich den Duft seiner Blüten nicht ertrug. Unterschiedlich sind sie und doch, versuche ich auf ein harmonisches Bild zu achten. Nicht selten schneide ich hier und da zurecht, was das harmonische Bild stört. Besonders die frechen Zweige der Sträucher aus dem Vorgarten, bahnen sich immer wieder einen Weg über den Zaun hindurch. Von Zeit zu Zeit, verteile ich etwas Dünger an die, deren Wuchs zu verkümmern droht oder helfe hier und da sie vor Schädlingen zu schützen. Zugegeben, manchmal müssen sie länger ohne meine Unterstützung auskommen, doch habe ich Zeit und Energie, oder ist es gar ein Notfall, dann bekommen sie all meine Aufmerksamkeit und Liebe. Während ich so an ihnen vorbeischlendere, muss ich mich doch wundern. So mancher Strauch war eine Zeit lang mein Lieblingsplatz, dann mocht ich ihn plötzlich gar nicht mehr sehen. Bei anderen hadere ich immer wieder damit, ob ich sie nicht entfernen will. Doch dann gibt es da auch die, die schon lange standhaft ihren Platz haben und die auch dann nicht verkümmern, wenn ich mich lange nicht um sie kümmere. Während ich das noch so denke, ist es der Duft des Flieders, der mich lockt, mich zu seinen Füßen niederzulassen. Seltsam, gab es doch Zeiten, da schreckte mich der Duft seiner Blüten ab. Umso mehr freue ich mich, hier nun wieder einen lauschigen Platz zu haben.

Das obige Zitat hat mich schon vor vielen Jahren tief berührt. Für mich ist es der Inbegriff von Liebe. Vor kurzem hörte ich ein Zitat, welches in die gleiche Richtung ging: „Ein Seelenverwandter ist der, der dich zu der besten Version deiner selbst werden lässt“. Ja… Kennst Du das auch? Das Gefühl, in der Nähe eines bestimmten Menschen zu deiner besten Version zu werden? Es ist für mich die Erweiterung des Gefühls, bei einem anderen Menschen ich selbst sein zu können. Das allein ist schon Gold wert. In den letzten zwei Wochen habe ich zwei Freundinnen wieder getroffen, die ich im letzten Jahr wenig bis gar nicht gesehen habe. Die eine kenne ich erst seit etwas mehr als einem Jahr, dennoch fühlten wir uns beim Kennenlernen sofort wohl miteinander. Die andere ist mir seit zehn Jahren treu und ich liege wohl nicht ganz falsch, wenn ich sie als meine beste Freundin bezeichne. Beides Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle und bei denen ich mich wohlfühle. Bei denen ich so sein kann, wie ich bin. Nach den Treffen spürte ich eine Wärme in mir, ausgestrahlt durch tiefe Zufriedenheit. Ich war im Einklang mit mir selbst, weil ich mich an den Tagen selbst mochte. Ich mochte mich, wie ich war, als ich bei ihnen war. Der Mensch, der ihnen dort gegenüber saß, der gefiel mir. Anders geht es mir da jedoch bei manch anderen Menschen. Dort bin ich gereizt oder verstecke mich hinter einer eiskalten Mauer. Mein Verhalten dem anderen gegenüber, strahlt jedoch auch auf mich ab und so wird mir in Gegenwart dieser Menschen kalt und ich kann mich selbst nicht leiden. Als mir das bewusst wird, erfahre ich einen Geistesblitz. Ich kann hier zuhause sitzen und darüber nachgrübeln, wer ich sein will oder ich kann die Menschen besuchen, die mich dieser Mensch werden lassen.

Doch was führt dazu, welchen Einfluss der andere Mensch auf mich hat? Welche Einflüsse tun mir gut, welche nicht? Wie kann ich steuern, was mich in welchem Maß beeinflusst?

Was sind das für Menschen, die mich frösteln lassen? Was lösen sie in mir aus?

Es sind zum Beispiel Menschen, die…

  • …ihr Umfeld als Bühne nutzen. Sie spielen ein Theaterstück und brauchen Applaus.
    – Sie machen sich selbst und anderen etwas vor. Sie wollen einem bestimmten Bild entsprechen und brauchen dafür Bestätigung von außen.
    -> Ich reagiere gereizt und ablehnend.
  • …ein Umfeld brauchen, durch das sie sich größer fühlen können.
    – Sie belächeln andere oder machen sie klein, damit sie über ihr geringes Selbstwertgefühl hinaussteigen können.
    –> Ich fühle mich klein und minderwertig.
  • …andere als Projektionsfläche ihrer eigenen Probleme nutzen.
    – Sie sind so auf ihre Probleme fokussiert, dass sie diese auch in anderen immer wieder erkennen wollen.
    -> Auch hier reagiere ich genervt und ablehnend.
  • …negative Menschen.
    – Sie sind Pessimisten, die es schaffen, jeden Enthusiasmus im Keim zu ersticken.
    -> Ich fühle mich runtergezogen.
  • …ein gesteigertes Konkurrenzdenken haben.
    – Sie wollen immer besser sein, als ihr Gegenüber.
    -> Leider lasse ich mich davon mitreißen.
  • …mich nach ihren Vorstellungen formen wollen.
    – Ich soll so werden, wie sie mich sehen wollen und so versuchen sie das zu zerstören, was ihnen nicht gefällt und mir das einzupflanzen, was ich werden soll.
    -> Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass das bei mir funktionieren kann, denn ich will gefallen. Das Ende vom Lied ist jedoch, dass ich mich minderwertig fühle und mich selbst verliere.
  • …zu sehr zu mir aufschauen.
    – Sie bewundern mich und himmeln mich an.
    -> Ich werde hochmütig, wenn nicht gar arrogant.
  • …ständig Hilfe für ihre Probleme einfordern.
    – Sie sind unselbstständig und brauchen andauernd Hilfe. Für sie ist es selbstverständlich, dass ihnen geholfen wird.
    -> Anfangs schaltet mein Helfersyndrom ein, doch irgendwann wird es mir zu viel und ich reagiere gereizt und ablehnend.
  • …nicht alleine sein können.
    – Hauptsache es ist jemand bei ihnen, wer ist eigentlich egal.
    -> Ich fühle mich, als wäre ich nur ein Gegenstand, der auf der Couch sitzt. Keine emotionale Bindung, die aufkommt.
  • …ein falsches Bild von mir haben.
    – Sie halten mich für etwas, das ich nicht bin.
    -> Dank meines Bedürfnisses, allen gefallen zu wollen, versuche ich dem Bild zu entsprechen und versuche zu verstecken, was nicht in dieses Bild hineinpasst.
  • …überdreht sind.
    – Sie sind laut, hastig und verhalten sich wie ein Elefant im Porzellanladen.
    -> Ich fühle mich in die Ecke gedrängt und meine Gefühle mit Füßen zertrampelt. Ich ziehe mich in mich zurück und irgendwann reagiere ich gereizt und ablehnend.
  • …Ich bezogen sind.
    – Sie fragen dich nicht, wie es dir geht, denn sie wollen nur erzählen, wie ihr neuestes Date gelaufen ist.
    -> Auch hier fühle ich meine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche missachtet. Das macht mich traurig.
  • …mich immer wieder abweisen.
    – Sie haben vielleicht selbst Probleme mit Nähe und zeigen ihrem Gegenüber immer wieder die kalte Schulter.
    -> Ich bin verletzt und ziehe meine Mauer hoch.
  • …Grenzen überschreiten.
    – Sie missachten die Grenzen anderer und schreiten erhobenen Hauptes über sie hinweg
    -> Ich fühle mich machtlos.

Das Thema „Grenzen setzen“ kommt mir wieder in den Sinn. Denn jedes Mal, wenn ich gereizt und ablehnend reagiere, ist das meine Art, meine Grenzen aufzuzeigen. Ich wünsche mir hier, dass ich diese klar kommunizieren kann. Das würde mir selbst ein besseres Gefühl verschaffen und den Leidensweg verkürzen.

Was aber kann ich für Rückschlüsse daraus ziehen, was ich für Eigenschaften in meinem Umfeld brauche?

  • Authentizität
  • Empathie
  • Selbstständigkeit
  • Optimismus
  • Selbstbewusstsein
  • Akzeptanz
  • Ruhe

Alles Punkte, die mir im Laufe meiner Selbsttherapie schon öfter über den Weg gelaufen sind. Ich möchte im nächsten Schritt meine bestehenden Beziehungen auf diese Punkte überprüfen und mich fragen, wem ich meine Zeit schenken möchte und mit wem ich weniger Kontakt haben möchte.
Als ich das Ergebnis meiner Auswertung sehe, muss ich lachen. Okay, ich hätte mir das sparen können. Meine Intuition hat mir bereits genau das gesagt. Ich kann nun mein Umfeld in drei Gruppen einteilen.
1. Menschen, mit denen ich mich viel umgeben sollte.
2. Menschen, mit denen ich mich nur hin und wieder umgeben sollte.
3. Menschen, die ich eher meiden sollte.
Okay, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Warum? Naja, weil das hier keine objektive Wissenschaft ist und in Beziehungen auch immer Gefühle mitspielen. Doch nicht nur das. Beziehungen ändern sich. Entweder aktiv, oder passiv, indem ich in einer anderen Phase bin, dann tun mir vielleicht andere Menschen wieder gut oder ich empfinde die Dinge anders als vorher. Das Netz meiner Beziehungen ist also ein stetig wachsendes, sich veränderndes Konstrukt. Daher wäre es hilfreich, mir meine Beziehungen immer wieder anzusehen und mir gut zu überlegen, mit wem ich meine Zeit verbringe. Der Test hat mir auch gezeigt, dass ich mich dabei auf meine Intuition verlassen kann. Doch fürs Erste habe ich meine drei aktuellen Lieblingsmenschen herausgearbeitet. Es wird also Zeit, dass ich ihnen Zeit und Liebe schenke…

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