Die Steine mal wieder entmoosen

Grenzen setzen… schon wieder

„Es ist äußerste Wachsamkeit
und Aufmerksamkeit,
die es uns ermöglicht,
unser Verhalten zu ändern.“
~Kalu Rinpoche~

Vorsichtig strecke ich meine Hand aus und berühre das kalte, feuchte Grün. Ein Schauer fährt mir über den Rücken. Besorgt blicke ich auf meine schrumpelnden Sukkulenten. Sie ziehen die Feuchtigkeit von den moosigen Steinen und bekommen kalte Füße. Zu lange habe ich schon wieder die wachsende Moosschicht auf meinem Steingarten ignoriert. Wo einst Trockenheit und Wärme herrschten, findet sich nun ein feuchtkaltes Milieu. Es wird Zeit, dass ich meine Sukkulenten von dieser Kälte befreie, in der Hoffnung, dass sie sich wieder stramm aufrichten. Es wird Zeit… besser heute als morgen.

Jahaa… ich hatte das Thema bereits im Frühjahr ausführlich bearbeitet, analysiert, seziert… (Hier: „Nein“ sagen und Grenzen setzen) jaaaa…. aaaaaber: Die Umsetzung fällt mir noch immer schwer. Alte Verhaltensmuster lassen sich nicht so schnell ändern. Ich spüre es, wenn meine Grenzen verletzt werden, doch anstatt dagegen vorzugehen, steigt der Groll in mir. Entweder staut dieser sich durch mehrere Situationen an, oder ich suche Ausflüchte, um der Situation, die mir nicht passt, zu entgehen oder ich werde sofort patzig. Alles Reaktionen, die ich nicht mehr wollte, weil sie mir schaden. Stattdessen wollte ich mithilfe von achtsamer Kommunikation meine Grenzen friedlich wahren. Gut, jetzt habe ich genau das in den letzten Monaten etwas aus den Augen verloren, bis es mich nun mit voller Wucht wieder einholte. Ich schmolle und spüre angestauten Groll in mir, weswegen ich patzig reagiere oder Ausflüchte suche. Super, das Verhalten ist ja herrlich automatisiert.

Was mir bei der Analyse der Situationen auch wieder aufgefallen ist, wie oft ich mit meiner Meinung, der Äußerung meines Willens und der Wahrung meiner Grenzen hinterm Berg halte, weil ich Angst vor einer negativen Reaktion meines Gegenübers habe. Das kann doch nicht mein ernst sein! Ich stelle mich, das was mir wichtig ist, meine Werte, Wünsche, ja sogar meine eigenen Grenzen zurück, nur damit mein Gegenüber nicht blöd reagiert, schlecht von mir denkt oder sich gar unsere Beziehung dadurch ändert? Ja guten Morgen… da muss ich aber mal dringend etwas dran ändern. Ja, mir ist bewusst, dass all das aus Unsicherheit und Selbstzweifeln heraus entsteht. Nur wird das etwas sein, was mich wohl ein Leben lang begleiten wird, trotzdem glaube ich, dass ich an den Situationen arbeiten kann und mir da ein Stück weit Freiheit erkämpfen kann. Was für Situationen sind es also, in denen ich mich in letzter Zeit einigle?

  • Meinungsäußerungen
    Äußert jemand sehr radikal seine Meinung, fällt es mir schwer, meine gegenteilige Meinung zu äußern. Meist sage ich gar nichts oder versuche vorsichtig einen neutralen Mittelweg zu finden, selbst dann, wenn meine Meinung ins Gegenteil geht. Sind es wiederkehrende Themen, so vermeide ich diese.
  • Triggernde Gespräche
    Es gibt einige Themen, die sind für die meisten Menschen normale Gespräche, für mich sind sie jedoch triggernd. Das kann verschiedene Gründe haben, ABER: Für meine Gefühle brauche ich keine Rechtfertigung. Und dennoch, lasse ich diese Themen über mich ergehen, winde mich, antworte nicht, frage nicht nach, reagiere abwehrend und versuche auch diese Themen zu vermeiden, anstatt einfach klipp und klar zu sagen, dass ich über soetwas nicht sprechen möchte.
  • Entscheidungen
    Es sind die kleinen Entscheidungen, doch bei manchen Menschen häuft es sich irgendwann, dass sie diese immer für andere mittreffen. Sie sprechen sich nicht ab, fragen nicht nach den Wünschen der anderen, sondern gehen automatisch davon aus, dass es so läuft, wie es ihnen am Liebsten ist. Und das nervt mich! Ich hasse es, wenn Entscheidungen für mich mitgetroffen werden und erst recht, wenn diese dann auch noch gegen meine Prinzipien und Werte gehen. Doch was mache ich? Ich suche Ausflüchte oder nehme es schmollend hin. Innerlich steigt jedoch mein Groll.
  • Forderungen
    Ich helfe gerne, wenn mich jemand um Hilfe bittet, nur… bei manchen Menschen scheint es so, dass sie bei ihrer Frage um Hilfe oder um einen Gefallen schon vorher davon ausgehen, dass diese auch erfüllt werden. Oder sie bitten andauernd um einen Gefallen, weil es einfach bequemer ist. Auch das erreicht dann irgendwann den Punkt, an dem es mich nervt. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, ich müsse mich rechtfertigen, weil ich der Bitte nicht nachkomme. Dass deren Bequemlichkeit auf Kosten anderer geht, scheint diesen Menschen nicht bewusst.
  • Wünsche übergehen
    Kennst Du auch Menschen, die permanent Deine Wünsche übergehen, weil sie halt nicht mit ihren übereintreffen? Entweder übergehen sie Deine Wünsche dann einfach oder sie reden Dir ein, dass sie es besser wissen oder überreden Dich einfach penetrant. Bei meinem Ex-Arsch war das ganz extrem. Der hat meine Wünsche und Werte einfach für nichtig erklärt und mich immer in seine Richtung gedrängt. Mir wird noch heute unbehaglich bei dem Gedanken daran. Doch auch jetzt erlebe ich es noch im Kleinen. Wenn ich z.B. sage, dass ich momentan keinen Alkohol trinke, weil mir mein Magen wieder zu schaffen macht und mir trotzdem immer wieder Alkohol angeboten wird. Klingt harmlos, doch wenn es sich häuft, dann fühlt sich das einfach nicht gut an.

Was aber brauche ich jetzt, um wieder bewusster kommunizieren zu können?

  • Zeit für mich
  • Abstand
    zu den Situationen, in denen es mir momentan nicht möglich scheint, aus meinem Muster auszubrechen
  • Übungen
    in leichteren Situationen mit Menschen, zu denen ich etwas mehr Abstand habe
  • Situationsanalysen
    Was für Situationen gab es heute, in denen ich mich nicht wohlgefühlt habe? Was habe ich schon gut gemacht? Was möchte ich wie ändern?
  • Meditation & Co.
    meditieren, Qi Gong, Teerituale, Spaziergänge… all das versetzt mich in Achtsamkeit und das ist der Grundstein für eine achtsame Kommunikation

Schön, wenn mir die Lösungen auf meine Probleme… Herausforderungen… immer sofort einfallen… Warum zur Hölle setze ich sie dann nur nicht um?! Gut, positiv denken. Noch vor einem Jahr, hätte ich die Lösungen nicht sofort parat gehabt. Die Umsetzung ist eben harte Arbeit. Vor allem, wenn sich das neue Verhalten manifestieren und automatisieren soll. Geduld… mit mir selbst.

3 Gedanken zu “Die Steine mal wieder entmoosen

  1. Liebe Sabine,
    Ich kenne diese Ungeduld mit einem selbst nur zu gut und es geht mir genauso – mir fallen die Lösungen immer sofort ein, aber sie umzusetzen bedarf einfach immer wieder Übung.

    Wie du schon sagst; denk positiv. Letztes Jahr warst du an einem ganz anderen Punkt…

    Und irgendwann wird es leichter! ☀️

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