Läusebefall Teil 1- behandeln oder fällen?

Ungesunde Beziehungen – sind sie noch zu retten?

„Loslassen,
obwohl wir festhalten möchten.
Weitergehen,
obwohl wir stehenbleiben möchten.
Das sind die schwierigsten Aufgaben,
vor die uns das Leben stellt.“
~Unbekannt~

Es ist ein herrlicher Tag. Ich genieße den langanhaltenden Sommer. Wann hatte ich zuletzt solch einen langen Sommer? Hatte ich ihn überhaupt je? Zu häufig kamen Herbst- und Wintertage dazwischen. Doch dieses Jahr, ziehen sich die Tage voller Sonne und blauem Himmel dahin. Ich recke meine Nase Richtung Sonne, schließe meine Augen und schlurfe barfuß durchs Gras. Die Sonne wärmt mein Gesicht, der Duft unzähliger Blüten kitzelt mir in der Nase und das Konzert von Vögeln und summenden Bienen klingt wohlig in meinen Ohren wieder. Es ist wirklich ein herrlicher… autsch! Erschrocken taumle ich zurück und halte mir die schmerzende Nase. Was war denn jetzt passiert? Verwirrt schaue ich vor mich. Da, direkt auf Augenhöhe ragt ein Ast in meinen Weg. Wie kann denn das sein?! Hatte ich doch dieses Jahr längst die Gehölze zurückgeschnitten. Ich mache einen Schritt auf den flüchtenden Ast meines Magnolienbaumes zu, laufe um ihn herum, betrachte ihn ungläubig von allen Seiten. Doch kein Zweifel, er ist da. Ob ich ihn beim Schnitt übersehen habe? Zaghaft strecke ich meine Hand aus und streiche über das Blattwerk. Da kitzelt es mich. Neugierig ziehe ich meine Hand zurück und seufzte. Da krabbelt doch tatsächlich eine leuchtend grüne Blattlaus über meine Hand. Ich schaue mir den Ast genauer an und entdecke immer mehr und mehr dieser lästigen Tierchen. Geschäftig untersuche ich nun weitere Äste und werde auch hier fündig. Meine Suche dehne ich auf die umstehenden Gehölze aus. Ich habe Glück und finde nur einen weiteren befallenen Baum. Es ist meine heiß geliebte Schwarzpappel. Beide sind sie über und über von Millionen Tierchen befallen. Seufzend lasse ich mich ins Gras sinken und starre die beiden Bewohner meines Gartens an.

Ich fühle mich ausgeschlossen, abgeblockt, vor eine Mauer gesetzt. Drei Jahre kennen wir uns nun und drei Jahre beteuern wir uns, dass wir gute Freundinnen sind. Was nicht leicht war, weil wir beide dazu neigen, andere Menschen nicht an uns herankommen zu lassen. Ich habe oft gelitten wegen ihr. Lange hatte ich das Gefühl, dass sie mich belächelt, ja sogar für einige meiner Einstellungen und Verhaltensweisen verachtet. Es dauerte seine Zeit, bis ich verstand, dass es nur ihr Selbstschutz war, an dem ich mich immer wieder verletzte. Auch sie stieß immer wieder an meine Abwehrmechanismen. Und dennoch, hatten wir viel Kontakt und beteuerten uns umso mehr, wie wichtig wir uns sind. Doch aktuell merke ich wieder, wie sie negative Emotionen in mir auslöst. Ich bekomme das in den Griff, aber es kommt immer wieder hoch.
Klingt ziemlich ungesund, wenn ich das jetzt mal so niederschreibe. Gefühlt habe ich das schon lange, daher wird es Zeit, diese ungesunde Beziehung aufzuarbeiten, nach Lösungen zu suchen oder sie gar ziehen zu lassen. Ich will und brauche keine Beziehungen mehr, in denen ich ständig Bestätigung brauche, dass wir uns nah stehen. Zwei solcher Beziehungen habe ich derzeit. Das muss ein Ende haben! Es ist ungesund und es tut mir nicht gut. Schluss mit den Beziehungen, in denen sich anziehen und abstoßen abwechseln. Schluss mit den ewigen Verletzungen. Mir scheint, als wären sie ein Überbleibsel der Vergangenheit. Früher hatte ich wohl nur solche Beziehungen. Immer brauchte ich Bestätigung und immer stieß ich diejenigen wieder weg… wohl auch um wieder Bestätigung zu bekommen. Doch ich brauche das nicht mehr. Ich führe viele gesunde Beziehungen mit Menschen, zu denen ich offen sprechen kann, denen ich nicht weh tun muss, die mir nicht weh tun und von denen ich weiß, dass sie mich mögen, auch wenn sie es mir nicht ständig sagen und selbst, wenn ich sie lange nicht sehe. Nur bei zwei Menschen klappt das nicht. Zeit, die Beziehungen auseinanderzunehmen.

Meine Magnolie… ich hab sie sehr gern und bin froh, dass sie in meinem Garten wohnt. Nur leider ist sie anfällig für Schädlinge und so muss ich sie immer wieder behandeln und auch immer wieder beschneiden. Viel Arbeit habe ich schon in sie gesteckt und viel Kummer hat sie mir bereitet. Ist es Zeit, sie gehen zu lassen oder finde ich endlich einen Weg, wie ich sie stärken kann?

Die ehemalige Kollegin
Ich brauchte sie. Sie war mein einziger Lichtblick in meinem letzten Job. In dem Job, der mich so in die Knie gezwungen hat. Und dieses, sie brauchen, das machte mich angreifbar, machte mich abhängig und so tat ich einiges dafür, sie in meiner Nähe zu halten. Andererseits tat sie mir nicht gut, sie verletzte mich immer wieder. Ich fühlte mich betrogen und hintergangen. Denn in meiner Welt waren wir eine Einheit gegen all das Negative auf der Arbeit. Doch das waren wir nicht. Während ich versuchte, mir nichts gefallen zu lassen und mich abzugrenzen, schleimte sie sich bei der Chefin ein. Für mich fühlte sich das wie Verrat an. Ich weiß, dass jeder seine Strategie hat, im Job und mit ungesunden Chefs klarzukommen… ich weiß das, mein Kopf weiß das, aber mein Gefühl fühlte sich nun einmal verraten. Also stieß ich sie wieder von mir, so wie jedes Mal, wenn ich mich verletzt fühlte. Gleichzeitig aber wollte ich sie halten, denn sie war ja das einzige, was mich in der Situation halten konnte. Du siehst den ungesunden Teufelskreis? Ich bin mir heute sicher, oder war es auch immer schon, dass wir uns nie angefreundet hätten, wäre die Situation nicht so gewesen. Hätten wir uns unter anderen Umständen kennengelernt oder wahrscheinlich auch, wenn ich mich in dem Job wohlgefühlt hätte, dann wäre es nicht so gekommen. Aber nun ist sie eben da und das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Dennoch muss ich für mich die negativen und ungesunden Aspekte dieser Beziehung herausarbeiten. Was läuft da schief? Ich lasse mir Situationen durch den Kopf gehen und versuche die Kernpunkte herauszuarbeiten:

  • Neid
    • Abwertungen des Gegenübers
    • Konkurrenzdenken
  • Angst vor Nähe / vor Verletzung
    • mauern, auf Abstand halten, von sich stoßen
  • Verlustängste
    • suche nach Bestätigung
    • führt zu Eifersucht
  • Unzufriedenheit mit sich selbst / Selbstzweifel
    • daraus resultieren Neid und Eifersucht
    • ebenso resultieren hieraus Angst vor Verletzungen
  • nicht vertrauen können
    • auf Abstand halten
    • gleichzeitig Bestätigung brauchen
  • unterschiedliche Erwartungen
    • ständige Enttäuschungen

Ängste und Zweifel scheinen es zu sein, die unsere Beziehung vergiften, auch unsere unterschiedlichen Erwartungen, führen zu Enttäuschungen. Da ist ein ganzer Batzen an ungesundem Zeug, der sich zwischen uns auftürmt. Was aber kann ich dagegen tun?

Die Schwarzpappel… kaum war sie da, wuchs sie unglaublich schnell, streckte ihre Äste weit aus und schoss rasend schnell in die Höhe. Ich liebe es, sie anzusehen, ihren rauschenden Blättern zu lauschen, mich an ihre rau gemusterte Borke zu lehnen und in ihre Krone zu blicken. Wie oft habe ich ihr an dunklen Tagen gesessen und mich vor dem Regen unter ihrer dichten Krone verkrochen? Es war, als würde sie das Licht zwischen ihren Zweigen auffangen, um es auch an dunklen Tagen zu mir zu schicken. Lange habe ich die Augen davor verschlossen. Ja, ich wusste, dass ich sie dringend schneiden müsste. Doch was, wenn sie dann nicht mehr so dicht und schützend wäre? Oder wenn es ihr gar schaden würde? Es wird Gründe geben, dass sich an seinen Füßen so oft Schwan und Trauerschwan um den schattigen Platz streiten…

Der, dem mein Herz gehört
Ich habe mich oft genug geweigert, diesen wunden Punkt in meinem Leben zum Thema zu machen. Alles was sich um das Thema Verliebtsein, Partnerschaft & Co. dreht, versuche ich zu vermeiden. Zu tief und schmerzhaft ist die Wunde, die dort in meiner Brust klafft. Ich will sie auch heute gar nicht ergründen, dazu bin ich nicht in der Lage. Aber ich will versuchen, diese ungesunde Beziehung aufzuarbeiten, denn sie tut mir einfach nicht gut und damit muss nach drei Jahren endlich mal Schluss sein!
Ja, auch ihn kenne ich seit drei Jahren. Und ja, auch an ihn habe ich mich in dieser schweren Zeit geklammert. Er war es, der mir ein gutes Gefühl gab, der Licht in meine dunkle Zeit brachte, der mir Bestätigung gab und mir das Gefühl gab, etwas wert zu sein. Ich war süchtig nach diesem Gefühl! Ich brauchte es so sehr! Denn lange Zeit waren meine Begegnungen mit ihm das einzige, was mich aufrecht hielt. Er hat einen sehr großen Anteil daran, dass ich es geschafft habe, diese Zeit durchzustehen. Ich brauchte ihn, brauchte seine Aufmerksamkeit und brauchte seine Bestätigung. Immer und immer wieder musste ich sie einfordern und doch… stand er mir emotional schon viel zu nah. Panik löste diese Nähe in mir aus. Ich wollte seine Bestätigung und ihn doch gleichzeitig auf Abstand halten. Auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz und auch hier klingt es wieder furchtbar ungesund. Wieder lasse ich mir Situationen durch den Kopf gehen und suche nach Knoten:

  • Selbstzweifel
    • Sucht nach Bestätigung
      • Nähe suchen
      • Bestätigungen provozieren
  • Angst vor Nähe / vor Verletzung
    • auf Abstand halten, wegstoßen, mauern
    • wahre Gefühle nicht zugeben, hinter Witzen verstecken
  • Verlustängste
    • Eifersucht
    • Bestätigung provozieren

Gut, auch wenn einige Punkte ähnlich zu der anderen ungesunden Beziehung sind, scheint hier doch etwas anderes hinter zu stecken. Mir kommt der Verdacht, dass ich ihn benutze. Ich benutze ihn dafür, um mich gut zu fühlen. Autsch, das tut weh. Und die Tatsache, dass ich ihm damit schade, tut mir doppelt weh, denn er bedeutet mir viel. Mein Gefühl sagt mir schon länger, dass ich damit nicht nur meinetwillen aufhören muss. Ich brauche seine Bestätigungen doch eigentlich nicht mehr. Ich bin wieder bei mir angekommen und brauche niemanden von außen, will auch niemanden von außen brauchen, der mir Bestätigung gibt. Aber vor allem, will ich ihn nicht verletzen. Doch genau das tue ich. Ich ziehe ihn an und stoße ihn wieder weg, ich necke ihn so sehr, bis es weh tut, ich führe ihn vor… und ich verachte mich gerade selbst dafür. Das alles so klar aufzuschreiben, ist wie ein Schlag in die Magengrube. Ja, mir ist das nicht neu, aber bisher habe ich es mir nie so deutlich vor Augen geführt. Das muss aufhören! Über den anderen Teil, dass ich meine Gefühle nicht zulassen kann, mag ich nicht weiter nachdenken. Denn wie gesagt, da steckt eine tiefe Wunde hinter und ich bin längst nicht bereit, die anzugehen.

Lösungssuche
Was mache ich nun mit diesen beiden ungesunden Beziehungen? Ist es an der Zeit, sie loszulassen? Oder kann ich sie bearbeiten und noch retten? Das Loslassen macht mir Angst… besonders bei ihm. Abgesehen davon, dass er nun wieder Teil meines Alltags ist und ich es kaum umgehen kann, ihn regelmäßig zu sehen. Ich muss also einen Weg finden, die Beziehung in eine gesunde Bahn zu lenken. Mir zuliebe und ihm zuliebe. Und was ist mit ihr? Ich will noch nach Lösungen suchen…

Ein Gedanke zu “Läusebefall Teil 1- behandeln oder fällen?

  1. Pingback: Läusebefall Teil 2 – Behandlungsversuch | Mein innerer Garten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s