Ich bin wie ich sitze

Meine Nachbarin (die Yogalehrerin ohne Sixpack und Räucherstäbchen) hat sich bei ihrem Einzug eine Ratternsofa für ihren Balkon gekauft. Das Sofa fand sie bei eBay, ist somit also seitdem stolzer Zweitbesitzer. Bei der Abholung, schwärmten die Erstbesitzer von ihrem Outdoor-Sofa. So bequem und schick sei es und auch meiner Nachbarin gefiel das schicke Teil ganz wunderbar. Zwei Jahre lang nun steht es schon auf ihrem Balkon, oft sitzt oder liegt sie dort, genießt die Aussicht, liest, trinkt Kaffee (gerne auch mit dem Besuch von oben) oder plant ihre Yogastunden. Herrlich, oder? Ein großer Balkon, Blick ins Grüne und dazu ein Sofa, die Welt schien perfekt… und doch… Je mehr Zeit sie auf ihrem Outdoor-Sofa verbrachte, umso unglücklicher wurde sie. Hier drückte eine Strebe, da fehlte ein Stück und auf der anderen Seite war es wieder zu lang. Wuchtig wirkte das Sofa nun auf dem Balkon und gleichzeitig barg es wenig Sitzfläche, trotz zwei Metern Länge. Was es nämlich zu beachten gab, das Sofa besteht aus drei Teilen. Praktisch, nicht wahr? Da kann man auch mal eines weglassen, wenn man mehr Platz haben möchte. Jaja! ABER: Sitzen kann man nur in der Mitte eines jeweiligen Sitzteils, sonst sitzt man auf den Streben und das ist alles andere als bequem. Es heißt also: Nicht bewegen! Ach und dann gibt es da noch die Rückenlehne, auch die rund herum mit Streben versehen, hier heißt es also: Dickes Kissen, denn sonst drückt es auch hier. Hat man sich dann nun so hingesetzt, dann sitzt man da ganz brav, denn Füße hoch geht ja nur in eine Richtung. Aber sie ist ja erfinderisch, also hat sie sich eine Kiste hingestellt, auf die sie ihre Füße nun auch Richtung Brüstung legen kann. So ganz glücklich war sie dennoch nicht.
Dann gab es einen lustigen Sektabend auf meinem Balkon. Frei von Berührungsängsten krabbelte nun meine Nachbarin auf das hintere Ende meiner selbstgebauten Lounge. Ja, wenn man auf den hinteren Platz kommen möchte, muss man etwas krabbeln, aber sie ist ja trotz ohne Sixpack sehr beweglich (kann nicht sein, oder? Tja, sie meint ja auch, dass sie ohne Räucherstäbchen Atemmediation machen kann, was soll ich dazu sagen?!) Hinten angekommen, streckt sie nun freudig ihre Füße Richtung Balkonbrüstung aus und lehnt ihren Rücken gegen die glatte Wand. „Ahhh“, seufzt sie und freut sich über die Beinfreiheit. So manchen Kaffee genoss sie seitdem auf meinem Balkon und fläzte sich gemütlich in die Lounge, bis sie eines Tages sagte: „Sowas will ich auch!“ Als baufreudiger Mensch, war ich sofort dabei und so erstellten wir nach ihren Wünschen einen Plan und zogen durch die Baumärkte dieser Stadt.
Eines Abends, sagt sie dann zu mir: „Komisch, den Erstbesitzern hat das Sofa so gut gefallen, darauf könne man so bequem sitzen, hatten die noch bei der Abholung geschwärmt…“
Ich lachte und sagte nur: „Jaja, es gibt Menschen, die sitzen abends in Jeans auf der Couch und legen, um es sich bequem zu machen, die Füße graziös neben sich und es gibt Menschen, die fläzen sich in Jogginghose auf der Couch hin und her.“
Bevor sich jetzt aber hier jeder in seine Jogginghose werfen möchte, muss ich mal kurz den mahnenden Zeigefinger erheben und auf den großen Karl Lagerfeld verweisen: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!“

Und wie sitzt Du so?

Gelebter Kontrollverlust

2 Gedanken zu “Ich bin wie ich sitze

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