Unliebsame Maulwurfshügel

Energieräuber – wie schütze ich mich vor ihnen?

„Es bist nicht Du,
der mich Nerven kostet.
Es sind meine Reaktionen auf Dich,
die an meinen Nerven zerren.“
~Sabine Gärtner~

Es ist noch früh am Morgen. Mit einem dampfenden Kaffee zwischen den Händen sitze ich auf den Stufen meiner Veranda und schaue zu, wie der Garten langsam erwacht. Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen zaghaft durch die Zweige der Bäume. Der Tau auf den grünen Halmspitzen funkelt magisch. Ein paar Vögel hüpfen über den Rasen um hier und da einen frühen Wurm zu erhaschen. Hinter dem ruhig daliegenden Teich weiden schon die Schafe. Auch Hannes, meine Nilgans, ist bereits auf den Beinen. Gut, das ist vielleicht übertrieben. Er kam heute Morgen herbeigeflattert, forderte lautstark sein Frühstück und ein paar Streicheleinheiten. Nun liegt er, den Kopf unter dem Flügel versteckt, in meinem Schaukelstuhl. Ich genieße die Ruhe und staune über die Schönheit meines Gartens. Unvorstellbar, wie es hier noch vor einem dreiviertel Jahr aussah. Das passiert eben, wenn man seinen Garten nicht pflegt. Gedanklich schweife ich zu meinen Aufgaben, die ich bei meinem letzten Spaziergang durch den Garten erblickt habe. Heute möchte ich es angehen und will zunächst mit den Maulwurfshügeln beginnen. Ich habe nichts gegen die süßen Tierchen, aber sie sollen es mal nicht übertreiben, sonst haben sie bald meinen ganzen Garten umgegraben. Ich gönne mir noch ein Viertelstündchen, in dem ich genüsslich meine Tasse leer schlürfe.

Die Kollegin – gereizte Reaktion

Situation
Kollegen sucht man sich nicht aus, muss aber dennoch viel Alltagszeit mit ihnen verbringen. In unserer Abteilung arbeitet außer mir nur noch eine Frau neben vier Männern. Sie ist erst 18 Jahre alt und macht dort eine Ausbildung. Sie hatte sich sehr gefreut, dass endlich noch eine Frau in die Abteilung kommt und hat sich sofort sehr an mich gehangen. Das wurde mir schnell zu viel, weil ich mit den Gesprächsthemen und auch mit ihrer Arbeitsmoral nichts anfangen konnte. Also versuchte ich, ihr mehr aus dem Weg zu gehen. Das war allerdings auch anstrengend, weil ich dadurch immer wieder Ausflüchte suchen musste um nicht mit ihr zusammen zu arbeiten. Zudem schickte sie mir auch privat Nachrichten und ging mir mit „blöden“ Fragen auf die Nerven. Schnell merkte ich auch, dass sie Arbeit auf andere abwälzt und sich immer den bequemsten Weg raussucht. Je mehr ich erfuhr, umso klarer formte sich mir das Bild einer sehr unselbstständigen jungen Frau, die von ihren Eltern noch immer jegliche Arbeit abgenommen bekommt.
Bald reagierte ich genervt auf ihre Anfragen und das brachte meine gute Stimmung aus dem Gleichgewicht. Ich ging auf Abwehr und wurde hart. Wenn ich zu Hause eine Nachricht von ihr bekam, war ich schon gereizt ohne sie gelesen zu haben. Ich kam zur Arbeit und baute sofort eine Mauer auf, weil sie meist direkt hinter mir herlief. All diese Reaktionen meinerseits, kosteten mich selbst Energie und taten mir nicht gut. Was also tun? Ich weiß, dass ich ihr Verhalten nicht werde ändern können. Mir bleibt nur, ihr Grenzen zu setzen und eine andere innere Einstellung ihr gegenüber aufzubauen. Schön und gut… aber wie mache ich das?!

Wer jetzt erwartet, dass ich dem Maulwurf mit schwerem Geschütz entgegentrete, den muss ich hier enttäuschen. Nein, hier folgt jetzt keine Kriegsschlacht. Der Maulwurf selbst ist mir nicht unliebsam, er soll es nur nicht übertreiben, mit seinen Hügeln. Ich strebe also eine friedliche Lösung an. In meinem Vorgarten, da darf er graben wie er will, nur hier, in meinem schönen Garten, da darf er sich nicht zu oft blicken lassen. Ich will ihn gar nicht verscheuchen, denn Maulwürfe sind wichtige Nützlinge für den Garten. Sie lockern den Boden und helfen mir quasi beim Umgraben. Nur leider lassen sie sich nicht steuern und sie gehen nicht nach Plan vor, daher muss ich ihm hin und wieder Einhalt gebieten und ihn zurück in seine Schranken weisen. Wie ich das machen will? Oh, am liebsten würde ich ihn auf einen Kaffee einladen, mir seinen Standpunkt anhören und ihm meinen darlegen, damit wir dann eine friedliche und für uns beide gewinnbringende Lösung finden können.

Lösungssuche
In den letzten Tagen habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht. Mir nicht unbedingt den Kopf darüber zerbrochen, aber doch immer mal wieder darüber sinniert. Zwischendurch kamen Geistesblitze durch, manchmal jedoch saß ich auch am Laptop und verlor mich in einer endlosen Sezierung meiner Gefühle dahinter. Als ich nun heute Morgen mit einem Kaffee in der einen, einem Buch in der anderen und einer Katze auf jedem meiner Beine auf dem Balkon saß, las ich einen Abschnitt, der mir eine kleine Erleuchtung schickte. Es ging um das Thema Verantwortung übernehmen. Das teilte sich in drei Aufgaben:

  • eigene Verantwortung übernehmen
  • nicht die Verantwortung anderer übernehmen
  • Verantwortungsbereiche abgrenzen

Ganz nüchtern betrachtet, meine Emotionen außen vor gelassen, ist dieses Modell die Lösung meines Problems. Die Kollegin übernimmt ihre Verantwortung nicht und schiebt sie auf mich ab. Meine Aufgabe hierbei ist es nun, die Verantwortungsbereiche abzugrenzen. Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass sie ihre Aufgaben erledigt, aber ich bin auch nicht dafür verantwortlich, ihr die Aufgaben abzunehmen. Siehe da, es kann so einfach sein! Wenn man die Emotionen aus dem Spiel lässt… Ich will in den nächsten Tagen versuchen, mir die drei Punkte der Verantwortung immer wieder zu vergegenwärtigen und möglichst sachlich die Situation in diese drei Punkte einzubauen. Ich hoffe, dass ich dann einen guten Ansatz für ein Gespräch finde, in dem ich meine Grenzen klar setzen kann. Freundlich, aber bestimmt.

Meine Wünsche
Was ist mir wichtig, was will ich in dem Gespräch rüberbringen und was möchte ich damit erreichen? Sofort fallen mir viele Punkte ein, die doch sehr unterschiedlich sind. Daher habe ich sie mir in Kategorien eingeteilt:

  • Innere Wünsche
    • meine gute Stimmung aufrechthalten
    • meine Gereiztheit und Härte loswerden
    • meine Grenzen positionieren
  • Wünsche für mein Gegenüber
    • Verständnis hervorrufen
    • friedliche Stimmung
  • Gewünschte Ergebnisse
    • mehr Abstand, weniger Kontaktpunkte
    • abgegrenzte Verantwortungsbereiche

Mir ist es wichtig, um meinen inneren Frieden wieder herzustellen, dass sie meine Grenzen einhält. Dafür ist es zunächst wichtig, dass ich ihr meine Grenzen aufzeige. Nicht mit Gereiztheit und einer harten Mauer, sondern ihr mit Hilfe von Worten genau erkläre, wo sie meine Grenzen überschreitet. Des Weiteren ist es mir wichtig, dass ich ihr mit meinen Worten verständlich mache, warum mir das wichtig ist. Ich möchte nicht, dass sie sich angegriffen fühlt. Zu guter Letzt wird es wichtig sein, dass ich ihr genau sage, was ich mir von ihr wünsche.

Mögliche Gesprächsinhalte
Wir beide haben sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Ich bin es gewohnt, sehr selbstständig zu arbeiten. Ich arbeite gerne alleine, es bringt mich aus der Ruhe, wenn ich den ganzen Tag jemanden um mich habe. Wir können gerne hin und wieder Projekte zusammen machen, doch im Arbeitsalltag wäre ich lieber für mich, denn ich bin ein Mensch, der viel Ruhe braucht.
Des Weiteren habe ich das Gefühl, dass du dir gerne Lösungen vorkauen lässt. Sowohl auf der Arbeit, als auch, wenn es um die Schule geht. Ich gebe dir gerne Unterstützung, wenn du nicht weiter kommst, doch ich möchte dich bitten, dass du selbst versuchst, Lösungen zu finden. Ich bin der Meinung, dass es dich mehr voran bringt, wenn du lernst, dich selbst zu kümmern, als wenn dir alles vorgekaut wird.

Gut, er kam also nicht zum Kaffee. Was ich stattdessen gemacht habe? Ich habe es ihm gezeigt, wo ich ihn nicht haben möchte. Dafür war es zunächst wichtig, dass ich die Spuren, die er in meinem Garten hinterlassen hat, beseitige. Also weg mit den Hügeln und den Eingang verschließen. Danach habe ich es ihm dort, wo ich ihn nicht haben möchte, ungemütlich gemacht. Wie das funktioniert? Jeder, der schon einmal Nachbarn über sich hatte, die sich eher wie eine Elefantenherde durch ihre Wohnung bewegen, anstatt sich der Metapher einer Gazelle anzunähern, wissen, welche Auswirkungen meine Maßnahme hat. Was soll ich sagen, meine Schafe freuten sich über den Ausflug in den vorderen Garten. 😉

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