Wenn wir etwas hinter eine Mauer sperren, ist es trotzdem noch da

Es gibt Themen, die so schmerzhaft sind, dass man nicht einmal einen kurzen Gedanken daran hegen will. Wir verstecken sie hinter Türen, schließen sie ein und wagen nicht einmal einen Blick durchs Schlüsselloch. Aber sie sind da. Sie werden immer da sein. Und das Schlimme ist, dass wir genau das wissen.

Bei mir gibt es ein solches Thema. Ich suche verwirrt nach einem Wort dafür. Was ist es? Liebe? Das ist zu allgemein. Nähe? Das definiert es auch nicht genau. Partnerschaft? Das Wort ist mir zu leer. Vielleicht gibt es nicht das eine Worte dafür. Ich will es anders versuchen. Was ich meine ist, mit jemandem eine Beziehung führen, Nähe zulassen, Nähe, die über Freundschaft hinausgeht. Jemanden ganz an sich heran lassen… Vielleicht ist es das. Meine Gedanken prallen unsanft gegen eine Mauer. Eine Mauer, die ich dort vor vielen, vielen Jahren hochgezogen habe. Dahinter ist es, dieses Thema. Eingesperrt, verbannt. Dort soll es nicht mehr wehtun. Doch funktioniert das wirklich? Keine Mauer der Welt ist stark genug, um Gefühle einzusperren. Wir können sie verdrängen, doch sie sind da und zwischendurch, kommen sie hoch, finden einen Riss im Mauerwerk und dann erfassen sie einen mit aller Macht.
Ich spreche nicht gerne über das Thema. Nicht mit Freunden, nicht mit meinem Therapeuten und auch nicht mit mir. Es ist ein Thema, das ich in all den vielen Jahren Therapie immer und immer wieder vom Tisch gefegt habe. Ich habe mich gewehrt und das tue ich auch heute noch. Heute, mit Mitte 30, ist das Thema genauso unaufgearbeitet wie damals mit… ja wann habe ich es eigentlich hinter diese Mauer verbannt? Wann habe ich mich selbst und meine Gefühle hinter eine Mauer gesperrt, damit mir keiner mehr wehtun kann. Und warum? Warum zur Hölle?? Und warum tue ich es bei dem Thema noch heute?! Während ich mich das Frage, schreit das kleine Kind in mir vor Schmerzen, meine Augen brennen, ich habe einen Kloß im Hals… und in mir tobt ein wütendes Raubtier. „Ich will nicht, ich will nicht!“, schreit mein inneres Kind und schlägt wild um sich. Ich kann es nicht, ich will es nicht…

Freitagabend dann, saß ich mit den Nachbarmädels zusammen. Viel zu lange hatten wir uns nicht mehr zu dritt zusammen gefunden, es wurde also mal wieder Zeit für Pizza, Sekt und lautes Gelächter. Doch was war passiert, dass ich plötzlich weinend am Tisch saß? Dumm! Ich war so dumm! Kartenlegen, so ein Blödsinn. Aber was soll schon passieren? Ist doch nur ein Spaß. Wie schnell aus so einem Spaß ernst werden kann, ahnte ich schon, als ich die Karten vor mir sah. Drei Karten. Die erste düster, die zweite hoffnungsvoll, die dritte wieder düster. Das gefiel mir nicht, hatten die anderen beiden doch zuvor nur freundlich aussehende Karten gezogen. Und ich gleich zwei so düstere?! Die erste Karte sollte die Essenz meiner Frage sein, die zweite das, was mich hindert und die dritte sollte mir die Lösung zeigen. Ich hätte „Stopp“ sagen können… und eigentlich wollte ich das auch. Doch dann hörte ich es mir an. Achja, meine Frage war schon dumm genug. Ich fragte, ob ich mich je für die Liebe öffnen könnte. Hier also nun die Antworten der Karten:

Die Essenz meiner Frage: Sieben des Wassers – Exzess
Das Bild: Vier zerbrochene Schalen, aus denen Wasser ausläuft, liegen auf blankem, grauem Felsgestein. Eine weitere Schale hat bereits einen Sprung und verliert ihr Wasser. Nur zwei Schalen stehen noch aufrecht und sind heil. Achtsamkeit tut not!
Die Essenz: Exzess – Energieverschleiss auf emotionaler Ebene – Kraftverlust durch Selbsttäuschung – illusionärer Erfolg – mögliche Unehrlichkeit sich selbst gegenüber – Ausschweifungen
Die innere Botschaft: Unachtsamkeit im Umgang mit sich selbst und dem Leben zeigt dieses Bild. Etwas zerrt an deiner Lebenskraft. Sich deshalb gehen zu lassen, ist jedoch nicht die Antwort. Es bringt dir nicht die erwünschten Resultate. Harte Gefühle gegen dich selbst helfen dir ebenfalls nicht weiter. Deshalb prüfe und beobachte, wie du mit dir selbst umgehst. Dann siehst du den Ausweg.
Die äußere Manifestation: Um deine eigene Wahrheit und deinen wahren Weg wiederzufinden, musst du die Täuschungsmanöver, die du dir selbst immer wieder vorspielst, beenden. All das, was du in dir nicht sehen oder wahrhaben willst, wird sich sonst in deiner Umwelt im selben Maß manifestieren. Übernimm die Verantwortung für die Lage, in die du dich selbst gebracht hast. Wenn du dazu bereit bist, findet sich bald auch ein Weg der Klärung.

Was mir im Weg steht: Die Medizinfrau – die Hohepriesterin
Das Bild: Die mystische Erscheinung der Medizinfrau hält in einer Hand eine Feder und in der anderen Hand eine Räucherschale als Zeichen der inneren Reinigung und Heilung. Aus ihrem Innersten strömt die Kraft des göttlichen Lichts, der Fluss des ewigen Lebens. Hinter ihrem Kopf schwebt ein Falke mit ausgebreiteten Schwingen. Er ist ein Bote des Großen Geistes. Er ist das Totemtier, welches ihr durch seine Weisheit einen tiefen Einblick in die magischen Kräfte der Natur und des Lebens verleiht. Am nächtlichen Firmament steht schimmernd die Mondsichel als Zeichen geistiger Öffnung und erleuchtender Intuition.
Die Essenz: Intuition – deine Seelenkraft – deine Anima – Initation – Heilung – Menschenliebe – Prophezeiung und Hellsicht – Visionskraft
Die innere Botschaft: Die Medizinfrau ist ein geistiges Symbol deiner Anima, deiner Seelenkraft, deines innersten Wesens. Durch die Kraft Intuition und damit auch der Initation besitzt sie die Fähigkeit, Heilungsprozesse zu beeinflussen und zu fördern. Wenn du dich dieser Energie in dir anvertraust, kannst auch du heil werden. Heilig kommt von heil. Heil kommt von geheilt, von heil sein. Initation bedeutet in diesem Fall, in das Wissen um deine eigene Heilkraft eingeweiht zu werden. Wahre Intuition kommt immer aus den allertiefsten und allerhöchsten Dimensionen unseres Seins. Wenn du dich entspannst, steigt sie ganz von selbst aus der Tiefe deines Wesens auf. Je spielerischer und flexibler du mit deinen Eingebungen umgehst, desto sicherer sind deine Prognosen. Je aufmerksamer und wacher du bist, desto einfacher und klarer arbeitet deine Intuition.
Die äußere Manifestation: Wahre Intuition kann erst dann in deinem Leben wirksam werden, wenn du an dich selbst glaubst und ihr den entsprechenden Entfaltungsraum gibst. Sie kann weder forciert noch herbeigezaubert werden. Um deine Intuition auch im Alltag wirksam werden zu lassen, ist es notwendig, deine negativen Gedankenmuster zu beobachten und einzustellen. Dann wird es für dich möglich sein, aus deiner intuitiven Weisheit zu schöpfen, die mit allem Leben, mit allen Manifestationen des Universums aufs tiefste verbunden ist. Die tiefe, innere Weisheit, die aus diesem Urgrund allen Seins aufsteigt, ist unendlich, ewig und oft nicht mit Worten zu erfassen. Innerlich zu erwachen braucht viel Aufmerksamkeit. Innerlich zu heilen braucht viel Liebe. Deiner Intuition zu folgen ist der Weg.
Meditation: Ich besinne mich auf mein inneres Wesen. Ich vertraue meiner Intuition und meinen eigenen Kräften der Heilung.

Die Lösung: Fünf der Erde – Unsicherheit
Das Bild: In einem angerissenen Korb liegt ein Rest von Mais, der nun von einigen herbeifliegenden Raben geplündert wird. Im Hintergrund stehen die verfallenen Erdmauern eines verlassenen Indianerpueblos. Der Himmel dahinter ist grau.
Die Essenz: Unsicherheit – Angst vor Verlust – Sorgen – negative Gedanken – Selbstqual – Selbstverdammung – die Furcht, nicht zu genügen, nicht „gut genug“ zu sein – Selbstmitleid.
Die innere Botschaft: Du hast dich in eine negative Gedankenschleife deiner Vergangenheit ziehen lassen. Jetzt brauchst du deine volle Aufmerksamkeit, um dich aus ihr wieder zu befreien. Erinnere dich, weshalb du so negativ über dich selbst denkst. Von wem oder was rührt dieser destruktive Einfluss? Werde dir darüber klar, wie sehr dich solche Gedanken beeinflussen und in ihren hypnotischen Bann bringen.
Die äußere Manifestation: In diesem Zustand ist es besser, ruhig zu bleiben und im Äußeren keine großen Dinge oder gar wichtige Veränderungen anzustreben. Die Angst vor Misserfolg könnte den gesamten Prozess im Augenblick lähmen. Befreie dich zuerst von deiner inneren Sorge, die wie eine dunkle Wolke dein Bewusstsein trübt. Indem du dir regelmäßig Zeiten der Stille und Meditation in deinem Leben erlaubst, kann bald alles wieder heller und klarer für dich werden.

Was soll ich dazu sagen? Nein, ich glaube nicht an sowas, doch hätte ich mir die Frage selbst gestellt, wären meine Antworten sehr ähnlich ausgefallen. Denn ja, ich täusche und belüge mich selbst bei dem Thema, es zerrt an meinen Kräften und ja, ich selbst habe mich in diese Lage gebracht, ich selbst habe die Mauern gebaut, die meine Gefühle einsperren sollen. Mir ist bewusst, dass ich selbst es bin, die mich nur heilen kann. Ich weiß, dass die Lösung in mir ist, dass ich nur tief genug in mich horchen muss und dann werde ich dort die Antworten finden, die mich heilen werden… wenn ich es denn nur zulasse. Und die letzte Karte? Die Worte, die ich dort unter Essenz lese, genau so hätte ich es ausgedrückt. Und ihre Botschaft? Ja… zunächst muss ich mich heilen, ehe sich etwas ändern wird, ehe ich Schritte auf diesem unbekannten Terrain wagen kann. All das, war nichts Neues für mich. All das wusste ich bereits… und doch saß ich dort wie ein Häufchen Elend und konnte die Tränen nicht mehr aufhalten. Manchmal ist das so, wenn man etwas weiß und es dann doch so deutlich gesagt bekommt.
Und nun? Nein, ich bin noch immer nicht bereit, das Thema anzugehen. Aber vielleicht hilft es mir, die Worte niedergeschrieben zu haben. Vielleicht werden sie in meinem Unterbewusstsein arbeiten. Vielleicht, habe ich heute wieder einen kleinen Schritt getan…

7 Gedanken zu “Wenn wir etwas hinter eine Mauer sperren, ist es trotzdem noch da

  1. Ich nehm dich jetzt einfach mal lieb in den Arm.♥

    Das Kartendeck habe ich auch auch und hätte es vermutlich ähnlich gedeutet. Heilung beginnt immer von innen und das Leben stellt uns keine Aufgaben, die wir nicht lösen könnten. Alles braucht eben seine Zeit und manches, was wir jetzt für ein Problem halten ( oder in der Vergangenheit ), löst sich irgendwann selbst. ♥ Trau dich und habe Mut. Lerne dich selbst zu lieben, dann kannst du auch anderen dein Herz öffnen.

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    • Vielen Dank liebe Yvonne!
      Doch die Selbstliebe ist nicht mein Problem. Nach vielen Jahren voller Selbsthass, kann ich heute stolz behaupten, dass ich mir selbst meine beste Freundin bin. Auch kann ich mich inzwischen anderen Menschen öffnen und pflege wunderbare Beziehungen. Nur eben wenn es um das Thema Partner geht, da blocke ich alles ab. Zu groß ist die Angst verletzt zu werden. Nach allem, was ich in diesem Leben schon überwunden habe, darf ich vielleicht nicht erwarten, dass sich alles auflösen lässt.

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      • Oh das freut mich, dass du nun, wie du sagst, wundervolle Beziehungen/Freundschaften pflegen kannst. Aber ist ein Partner nicht eigentlich auch genau das? Oder unterscheidest du da im speziellen? 🙂

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      • Sehr interessant!♥ Man muss ja auch nichts erzwingen, alles hat eben seine Zeit und wenn es sich richtig anfühlt mit jemandem, dann öffnest du dich vielleicht sogar automatisch für die Partnerschaft. 🙂

        Persönlich ist es bei mir genau umgekehrt. Ich habe mehr Vertrauen zu meinem Partner, als zu „Fremden“ die zu „Freunden“ werden sollen ( bzw. ich würde mir wünschen, dass sie es werden).

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      • Wie lange kennst du deinen Partner? Ich brauche lange um vertrauen zu können. Erst dann kann sich daraus eine Beziehung in welcher Art auch immer entwickeln. Doch die meisten gehen schon mit einer Vorstellung in ein Kennenlernen hinein, was mich dann unter Druck setzt und so blocke ich ab. Wenn da nicht jemand mit viel Geduld kommt, dann wird das schwierig.

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      • Meinen Partner habe ich nun seit gut 6 Jahren, seit 2 Jahren sind wir auch verheiratet. Davor war ich mit jemandem knapp 7 Jahre liiert. Ich nehme eine Partnerschaft wichtig und halte nichts von schnell wechselnden „Beziehungen“ oder der „Tinder“Mentalität. Für mich ist Partnerschaft etwas elementares und geht sowohl mit Liebe, als auch mit wechselseitigen Kompromissen einher. Es muss sich alles in Balance befinden, wie eine Waage. Sie schwankt mal leicht mit den Hürden des Lebens und der verändernden Persönlichkeiten/Umständen, aber kommt immer wieder ins Lot. Beide Seiten akzeptieren sich gegenseitig so wie sie sind und gewähren sich, trotz der Nähe, auch wieder genug Freiraum für sich selbst. ♥
        Vertrauen ist etwas, das erst gegeben werden muss ( als Vorschuss ), denn sonst findet man nicht heraus, ob es sich auch lohnt zu vertrauen. Man öffnet sein Herz, wenn man das Gefühl hat es passt, und der andere öffnet dabei auch seins. Geduld sollte man in beiden Fällen haben und auf beiden Seiten. Mit Druck ist dabei keinem geholfen und eine „Art Vorstellung“ hat jeder von uns von „seiner Beziehung“. Die Frage ist eher, kann ich diese Vorstellung/Erwartung auch an den anderen anpassen. ♥

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