Spaziergang durch den Garten

Herausforderungen im Alltag unter die Lupe genommen

„Jeder muss seinen Frieden in sich selbst finden,
und soll der Friede echt sein,
darf er nicht von äußeren Umständen beeinflusst werden.“
~Mahatma Gandhi~

Die Fäuste in die Hüften gestemmt stehe ich auf den Stufen meiner Veranda. Hosenbeine und Ärmel habe ich hochgekrempelt, in meinen Taschen stecken Handschuhe und eine Gartenschere. Ich bin bereit! Voller Arbeitseifer hüpfe ich barfuß die Stufen hinunter und lande im weichen Gras. Kitzelnd trifft das Gras auf meine Füße und Unterschenkel. Lächelnd schaue ich an mir herab und wühle mit den Zehen im satten Grün. Als ich wieder aufschaue, lasse ich meinen Blick durch den Garten schweifen. Ein wärmendes Gefühl der Liebe steigt in mir auf. Ja, ich liebe ihn, meinen Garten. So viel Arbeit habe ich in diesem Jahr in ihn gesteckt und jetzt ist da mehr als nur Stolz, da ist aufrichtige, tiefreichende Liebe. Umso mehr ist es nun an der Zeit, ihm wieder etwas Liebe zu geben. In den letzten Wochen hatte ich wenig Zeit für ihn und war kaum zu Hause. Doch heute, heute gehört der Tag ihm. Wollen wir doch mal sehen, was ich an Baustellen finde…

Viel hat sich in den letzten Wochen getan und ich bin wieder im „Alltag“ angekommen. Vorbei die Auszeit, vorbei die Zeit, in der ich mich ungestört nur auf mich konzentrieren konnte. Ob das jetzt negativ ist? Nein, ich empfinde das sogar als etwas Positives. Nicht zuletzt das sagt mir, dass es der richtige Zeitpunkt war. Nicht zu früh, nicht zu spät. Und weil sich das so zufällig ergeben hat, wage ich zu sagen: Es sollte wohl so sein.


Wie mein Alltag aussieht?
Nun, ich arbeite jetzt Teilzeit, das war mir sehr wichtig! Ich wollte langsam anfangen und mir war es wichtig, dass ich noch immer viel Zeit für mich habe. Das klappt auch wirklich prima! Ich habe viel Zeit für Ruhe und das lässt mich auch bei der Arbeit entspannter sein. Keine Hektik, kein Stress. Das tolle ist, dass auch mein neues Arbeitsumfeld sehr ruhig und nicht von Stress, Hektik und Druck geprägt ist. Das gibt mir die Möglichkeit, langsam wieder in die Welt hinaus zu gehen. Ja, die haben es mir dort wirklich nicht schwer gemacht, diesen Schritt zu wagen und dafür bin ich unendlich dankbar! Wo ich arbeite? Jetzt lach nicht… was soll ich sagen, das Gärtnern hat mich dieses Jahr, wenn auch nur symbolisch, begleitet und nun, arbeite ich tatsächlich als Gärtnerin in einer Baumschule. Verrückt, oder? Oder sollte auch das einfach so sein…

All das, was ich im letzten halben Jahr in meinem stillen Kämmerlein erarbeitet und aufgearbeitet habe, versuche ich nun im Alltag umzusetzen. Bisher klappt das wirklich wunderbar und ich bin mehr als glücklich. Ein paar Stolpersteine… oder nennen wir es „Herausforderungen“ oder auch „Erprobungen“, haben sich bereits ergeben. Einige davon meisterte ich mit Bravour, für andere suche ich noch eine Lösung. Es wird also wieder Zeit, dass ich mich hinsetze, in mich horche und nach Lösungen suche.

Stolz streife ich nun durch den Garten und halte mal hier und mal dort an, um mir etwas genauer anzusehen. Besonders stolz bin ich auf meinen Apfelbaum. Ich glaube, er hatte in seinem ganzen Leben noch nie so viele Früchte! Gut, er ist nicht so stabil, dass er sie bei stärkerem Wind noch alle halten könnte, aber er macht sich prächtig! Auch die Wiese gedeiht prima. Auch wenn ein Stück Rasen für neue Pläne weichen musste, so wächst der noch immer großflächige Rasen üppig grün. Blumen finden sich in vielen Beeten und locken mit ihren leuchtenden Farben unzählige Bienen an. Auch der Kräutergarten wächst und gedeiht wie nie zuvor. Etwas länger bleibe ich an meinem Gemüsebeet stehen. Ja, hier könnte ich auch mal wieder etwas tun. Vielleicht könnte ich aber zunächst den Boden auflockern, ehe ich neue Pflanzen einsetze. Ist ohnehin nicht die richtige Zeit dafür! Neben der vielen Bienen, zwitschern eine Menge Vögel in meinem Garten. Auch Hannes, meine Nilgans, ist mehrmals die Woche zu Gast und fordert seine Futterrationen. Im hinteren Teil weiden die Schafe… meistens. Manchmal ist es ihnen zu unruhig, dann verschwinden sie schnell durch das Gartentor. Doch scheinbar verbringen sie noch genug Zeit hier, um mir das Unkraut vom Leib zu halten. Zwischen dem vielen Grün erblicke ich hier und da meine Steinfiguren. Die meisten sehen noch immer gut aus, die ein oder andere könnte jedoch mal wieder vom Moos befreit werden. In einer der hintersten Ecken steht mein Kompost, auch der Bedarf weniger Pflege. Momentan ist nichts zu tun, aber ich weiß, dass ich ihn im Auge behalten muss. Ich drehe mich um. Ein Platschen hat meine Aufmerksamkeit erregt. Neugierig nähere ich mich dem Teich. Drei Fische durchstoßen immer mal wieder die Oberfläche und schnappen nach Luft. So, muss ich bei Gelegenheit auch mal nach dem Teich schauen. In meinem Wäldchen angekommen, sieht es hier recht ungemütlich aus. Wenig einladend stellt sich der Boden dar, auch müssten einige Äste mal wieder geschnitten werden. Gedanklich schreibe ich mir auch diese Aufgabe auf meine innere to-do-Liste. Auf dem Weg zum Gartentor werfe ich einen Blick auf meine Sträucher. Wunderbar! Die Neuen haben sich herrlich eingelebt und auch die älteren wachsen gleichmäßig. Hier und da könnte ich etwas optimieren, aber nichts was eilt und eigentlich auch nur Schönheitskorrekturen. Als ich noch in die Sträucher blicke, stolpere ich plötzlich. Verwundert schaue ich nach unten. Nanu, was war denn das? Ein Erdhaufen türmte sich in meinem Weg auf. Aha! Maulwürfe wieder. Die hatte ich auch schon lange nicht mehr hier. Als ich vor mich blicke, sehe ich noch mehr davon. Es wird also höchste Zeit, hier etwas zu tun, ehe sie sich in meinem ganzen Garten ausbreiten. Ich laufe weiter Richtung Gartentor und blicke erfreut auf den Zaun. Wie gut, dass ich auch ihn dieses Jahr im neuen Glanz habe erstrahlen lassen. Er sieht noch immer toll aus! Im Vorgarten angekommen, schaue ich mich verwundert um. Einige neue Sträucher haben sich hier angesiedelt, alte sind dafür fast völlig verkümmert oder gar ganz verschwunden. Verrückt, war ich so lange nicht mehr hier? Soweit sieht aber alles ganz gut aus, es ist zumindest weniger zu tun als ich befürchtet hatte. Umso besser, dann kann ich es mir erstmal mit Hannes wieder auf der Veranda gemütlich machen, ich höre ihn nämlich schon schnattern.


Folgende Wünsche ergeben sich aus meinen Baustellen:

  • Ich wünsche mir, dass ich auf meine Kollegin mit Verständnis und Liebe, anstatt mit Gereiztheit reagiere.
  • Ich wünsche mir, dass ich meine innere Ruhe aufrecht halten kann und mich die Unruhe nicht wieder überrennt.
  • Ich wünsche mir, dass ich negative Schwingungen an mir vorüberfließen lassen kann.
  • Ich wünsche mir, dass ich allgemein geduldiger werde.
  • Ich wünsche mir, dass ich nachsichtiger mit mir selbst bin, wenn ich wieder in alte Muster zurückfalle.
  • Ich wünsche mir, dass ich mich von seiner* Rückkehr in meinen Alltag, nicht wieder aus der Bahn werfen lasse.
    (*Der Mann, für den ich so starke Gefühle habe, mich aber nicht wage, ihn an mich heranzulassen.)
  • Ich wünsche mir, dass ich mich nach einer langen Zeit des Rückzugs, wieder den Menschen annähere, die ich etwas auf Abstand halten musste.

Entschuldige, aber ich muss über einige Punkte lachen. Ja bin ich denn blöd?! Ernsthaft jetzt?! Ein halbes Jahr lang, arbeite ich akribisch daran, mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen und zu mir selbst zurück zu finden und jetzt lasse ich mich von Kleinigkeiten aus der Bahn werfen?! Hahahahahahah…. Na gut, seien wir ehrlich, ganz so einfach ist es nicht, dennoch hilft es mir auch, dass alles weniger ernst zu nehmen und mich darüber lustig zu machen. Sich selbst nicht immer ganz so ernst und wichtig zu nehmen, kann ohnehin sehr erheiternd sein. Das löst die Anspannung und ich kann nun gelassener auf die Herausforderungen schauen. Dennoch, möchte ich in Ruhe nach Lösungen suchen und ich fürchte, dass einige Punkte eben nicht ganz so leicht zu lösen sind. Daher werde ich mir die Punkte nach und nach in Ruhe ansehen, sie analysieren und dann nach Lösungen suchen. Also, auf geht´s!

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