Wie groß ist die Welt?

„Ich will die Welt verändern“, sagte er zu ihr, „Ich will Großes leisten. Das solltest Du auch tun, wenn Du etwas aus Deinem Leben machen willst. Sonst ist es nichts wert“, sagte er und rannte los ohne ihre Antwort abzuwarten.
„Warte!“ rief sie und stolperte hinter ihm her, „Ich kann nicht so schnell, meine Beine sind zu kurz!“, doch er hörte sie längst nicht mehr.
Er war schon weit gekommen, da sah er am Wegesrand eine Schildkröte sitzen.
„Komisch“, dachte er „Was hat denn die hier verloren? Die hat hier doch gar nichts zu suchen“ und rannte weiter.
Viel später erst, kam sie über viele Umwege an diese Stelle und auch sie sah die Schildkröte… und sie blieb stehen.
„Nanu, was machst denn Du hier draußen so allein?“, fragte sie und hockte sich vor die Schildkröte hin.
„Ich hab mich verlaufen“, antwortete die Schildkröte „und jetzt finde ich nicht mehr zurück.“ Schniefend ließ sie den Kopf hängen.
„Wo kommst Du denn her?“, fragte sie besorgt.
„Von einem schönen Garten. Dort habe ich Freunde und ein schönes Zuhause. Die Menschen dort kümmern sich sehr gut um uns. Doch dann wollte ich die Welt erkunden… jetzt vermisse ich sie so sehr und fühle mich ganz allein.“, weinend zog die Schildkröte den Kopf ein.
„Komm, ich will Dir helfen und Dich nach Hause bringen. Meine Beine sind viel länger als Deine, wenn ich Dich trage, sind wir schneller“, sagte sie ohne lange zu überlegen.
Ungläubig schaute die Schildkröte aus ihrem Panzer heraus und fragte vorsichtig „Musst Du denn nirgendwohin?“
Seufzend schaute sie ihm hinterher „ach, das schaff ich sowieso nicht mehr.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg quer über die Felder. Drei Tage und Nächte streiften sie umher, bis sie auf ein einsames Haus trafen, auf dessen Stufen zwei kleine Jungen saßen, die Gesichter in ihren Händen vergraben. Aufgeregt fing die Schildkröte an zu zappeln.
„Da sind sie! Das ist mein Zuhause!“, rief die Schildkröte mit sich überschlagender Stimme.
Vorsichtig setzte sie die Schildkröte ab und sah zu, wie diese schnellen Fußes auf die Jungen zu rannte. Dort angekommen, stupste sie den einen sanft an seinen Fuß. Vorsichtig blickte er auf, Tränen im Gesicht, und schaute herunter. Da erblickte er seine vermisste Freundin und fing vor Freude an zu schreien. Er sprang auf, hob die Schildkröte in die Höhe und drückte sie ganz fest an sich. Auch der andere Junge regte sich nun und schaute zu seinem Bruder hinüber. Als er den rauen Panzer an dessen Brust sah, fing auch er an zu jubeln. Sie hüpften umher und jubelten.
Als sie ihre verloren geglaubte Freundin Richtung Garten trugen, schaut diese sich noch einmal um und flüsterte leise „Du hast meine Welt verändert. Danke.“

©Sabine Gärtner, 2020
Mein innerer Garten

2 Gedanken zu “Wie groß ist die Welt?

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