Am Boden

Langsam muss ich mir eingestehen, dass die letzten drei Jahre mehr in mir kaputt gemacht haben, als ich bisher glauben wollte. Ich frage mich, was wohl passiert wäre, wenn ich das nicht durchgezogen hätte. Wenn ich auf mein Bauchgefühl, anstatt auf meinen Verstand gehört hätte. Wo wäre ich jetzt? Und viel wichtiger: Wie würde es mir jetzt gehen? Ich weiß, es ist vergossene Milch, es ist vorbei. Und doch…

Beglückwünscht haben sie mich, als ich dieses Projekt beendet hatte. Mit Worten wie: „Toll! Jetzt hast Du gezeigt, dass Du sowas kannst.“ Was lesen wir daraus? Ja, dass mal wieder niemand an mich geglaubt hat. Als wären sie alle überrascht gewesen. Ob ich nicht stolz gewesen bin? Nein. Ich habe Wochen lang darauf gewartet, dass sich dieses Gefühl einstellt. Aber es kam nicht. Ich habe mich in all der Zeit nie gefragt, ob ich es schaffen kann. Ich habe mich nur gefragt, ob es das wert ist.
Eine Frage, die ich mir auch im Nachhinein stelle. Die ich mir eigentlich schon davor gestellt habe. Schon vorher wusste ich „gut, das ist nicht was du willst, aber so lange du keine andere Idee hast, zieh es halt durch“. Drei Jahre… wofür?! Um jetzt wieder genau da zu stehen, wo ich vor diesen drei Jahren stand. Nur ein wenig kaputter. Was es mit einem macht, wenn man drei Jahre lang nur Gegenwind bekommt? Wenn auf einem herumgetrampelt wird? Würden meine Augen den Schmerz widerspiegeln können, könntest Du es sehen. Aber so, siehst Du nur mein Lächeln.

Seit anderthalb Jahren nehme ich wieder Antidepressiva. Weil ich es nicht mehr aushielt. Weil ich zusammenbrach. Weil ich ein nervliches Wrack war und keinem Millimeter Druck mehr standhalten konnte. Ich wusste, was ich dagegen tun konnte um es „auszuhalten“, aber mir fehlte die Kraft.
Und jetzt? Liege ich am Boden. Trotz Antidepressiva. Trotz erfolgreich abgeschlossenem Projekt.

Man erwartet von mir, dass ich funktioniere. Dabei sieht keiner, welchen Preis ich dafür bezahlen muss.

Ich brauche einen Neuanfang. Nur fehlt mir dafür die Kraft.

Tut mir leid, dass ich momentan nichts „Sinnvolles“, nichts mit einem Happy End schreiben kann. Vielleicht bald wieder. Aber heute… nur überleben.

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