Veranda aufräumen statt Garten umgraben

Druck ablassen und aushalten

Ein Besen richtet weniger Schaden an, als eine Schaufel.

„Erst wenn wir nicht mehr weiter wissen,
lernen wir uns selbst richtig kennen.“
~Henry David Thoreau~

Heute ohne Gartentext… die Konzentration fehlt…

Ich stehe hier, mit meiner Zeichnung in der Hand. Vor mir eine brach liegende Fläche. Schön und gut. Ich habe also eine Vorstellung davon, wie mein Leben aussehen soll. Auch Raum habe ich dazu. Aber wie zur Hölle, erwecke ich diese Vorstellung jetzt zum Leben? In meinem Kopf wirbelt es herum…
Kosten runterfahren = Du musst umziehen… aber wohin?
Geld verdienen = Möglichkeiten suchen… aber wo anfangen?
Und dann kommen da auch die Ängste hoch:
Was, wenn ich mich nicht wohlfühle, dort wo ich hingehe?
Was, wenn ich es nicht schaffe, mit dem Schreiben Geld zu verdienen?
Was, wenn ich wieder in irgendeinem Job lande, indem ich mich selbst verliere?

Mein Kopf läuft Amok… seit drei Tagen. Die Gedanken rasen und doch, kann ich sie nicht fassen. Es sind nur Fragmente, die keine sinnvollen Sätze bilden wollen. Die Tränen der letzten Tage kann ich nicht zählen. Nur das eine Mal, als ich schluchzend auf dem Boden lag und keine Kraft mehr hatte, um aufzustehen, das blieb mir im Gedächtnis hängen.
Mein ganzer Körper ist auf Flucht eingestellt. Nur wohin? Und überhaupt… wovor fliehen wir denn hier eigentlich?! Ich will gar nicht fliehen, ich will auf ein Ziel zulaufen. Doch mein Körper kennt den Unterschied nicht. Er bereitet sich auf die Flucht vor und will nicht zur Ruhe kommen.
Manisch habe ich in den letzten Tagen meine Wohnung ausgemistet. Schon wieder… Ich war wie im Rausch. Erst gegen Abend verließen mich langsam die Kräfte und mein Bewusstsein tauchte wieder an der Oberfläche auf.
„STOP!“, schrie ich mir zu.
Und doch brauchte ich noch eine Stunde und jede Menge Kraft, um mich dazu zu bewegen, endlich still zu stehen. Erst da merkte ich, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte.
Die Energie, die mein Körper in Anspannung vor der Flucht umsetzte, musste irgendwie raus. Ich musste irgendetwas tun, das mir das Gefühl gab, ETWAS zu tun. Musste das Gefühl haben, voran zu kommen.
Mein Körper ist seit Tagen angespannt, meine Nerven ebenfalls zum Zerreißen gespannt. Ich reagiere gereizt, bin wegen Kleinigkeiten vollkommen überfordert und mir schießen sofort die Tränen in die Augen.

Diese Phasen habe ich immer mal wieder. Die Gereiztheit, die Angespanntheit und das Gefühl, irgendwie weg zu müssen. Momentan kann ich mir aussuchen, wie sehr ich mich an solchen Tagen äußeren Reizen aussetze. Nämlich so wenig wie möglich. Auf der Arbeit geht das natürlich nicht. Da muss ich funktionieren, muss trotz der Angespanntheit Leistung bringen. Wenn ich sehe, wie sehr es mich in diesen Tagen schon anstrengt, frage ich mich wirklich, wie ich das so oft trotz Arbeit ausgehalten habe. Vor allem, weil diese Phasen nur schlimmer werden, wenn ich mich nicht zurückziehen kann. Die Überforderungen schon bei Kleinigkeiten, die Anspannung in den Muskeln und die Gereiztheit in der Stimmung, machen die Arbeit zu einer Mischung aus unfassbarer Kraftanstrengung und Spießrutenlauf. Die Erschöpfung nimmt durch die körperliche Belastung zu und auch die Stimmung kippt immer weiter. Ich versuche mich durch den Arbeitsalltag zu hangeln, versuche allem und jedem aus dem Weg zu gehen und klammere mich mehr als sonst an feste Strukturen.

Während ich das hier schreibe, passieren zwei Kleinigkeiten und schon bin ich wieder am Heulen. Bin überfordert, verzweifelt, fühle mich alleingelassen und unverstanden. In mir geht alles auf Abwehr.
„Ja dann lasst mich doch einfach alle in Ruhe!“
Ich weiß, dass ich überreagiere. Ich weiß, dass meine Reaktion nicht gerechtfertigt ist und ich weiß auch, dass die Personen, die mich gerade so getroffen haben, das nicht im Entferntesten vorhatten. Mein Verstand weiß das alles. Trotzdem sind die Gefühle da. Und so kämpfen Verstand und Gefühl mal wieder gegeneinander.
Der Druck der dabei in mir entsteht, ist kaum zu ertragen.

Das einzig Gute ist, dass ich inzwischen gelernt habe, in solchen Momenten eben nicht zu reagieren. In Momenten, in denen meine Gefühle übermächtig sind, ziehe ich mich zurück und warte, bis mein Verstand wieder das Steuer übernommen hat. Erst dann atme ich tief durch, analysiere die Situation noch mal mit meinem Verstand und reagiere dann erst darauf.
Warum? Weil ich mich selbst nicht mag, wenn ich aus meinen Emotionen heraus reagiere. Denn ich überreagiere, werde gemein und verletzend und vor allem: Ich bewahrheite die eingebildeten Ängste des Verlassen- und Nicht-geliebt-werdens. Denn ich verletze die Menschen, die mir wohlgesonnen sind, wodurch sie sich zurückziehen. Tada! Selbsterfüllende Prophezeiung, herzlich willkommen!

Und wieder stelle ich mir vor, wie sich solche Situationen potenzieren, wenn ich auf der Arbeit bin. Denn da kann ich mich eben oft nicht zurückziehen. Ich habe nicht die Gelegenheit, Luft zu holen und meinen Verstand über die Emotionen siegen zu lassen.
Wenn ich ohnehin schon angespannt bin und unter Druck stehe, setzen mich Situationen, in denen ich nicht weg komme und in denen womöglich noch Anforderungen an mich gestellt werden, nur noch mehr unter Druck. Der Kessel dampft bereits, doch jetzt droht er zu platzen.

Früher hielt ich den Druck nicht aus. Ich verletzte mich selbst um Druck zu entlassen und um mich wieder spüren zu können. Die Zeiten sind vorbei. Dafür bin ich unendlich dankbar! Ich habe gelernt, mit dem Druck anders umzugehen, ihn auf andere Arten abzulassen. Aber dennoch, ist er da. Er geht auch nicht weg, nur weil ich ne Runde joggen gehe. Ja, das lässt etwas Druck ab und es geht mir ein wenig besser, doch die Phase der Anspannung bleibt. Sie auszuhalten kostet viel Kraft.

Es kostet mich gerade eben so viel Kraft, das in Worte zu fassen. Wie soll man jemandem diese Anspannung erklären, der das Gefühl nicht kennt? Wie soll man klar machen, dass eben nicht alles okay ist, wenn man drüber geschlafen hat oder wenn man ein Problem gelöst hat? Wie soll ich erklären, warum ich auf Kleinigkeiten so gereizt reagiere, warum mich Kleinigkeiten verletzen? Ich habe keine Worte dafür…
Manchmal hilft eben nur durchhalten, aushalten, es aussitzen.

So lange die Anspannung anhält, versuche ich die Energie, die mein Körper in Flucht setzt, anders abzulassen, bevor sie mich zerreißt. Ob danach noch Sachen in meiner Wohnung sein werden…? Wir werden sehen…

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