Der Besuch des Trauerschwans

Ohne Nähe keine Wunden… oder?

"Ich gehe, bevor Du gehst. 
Ich verletze, bevor Du verletzt. 
Ich wende mich von Dir ab, drehe mich nicht um.
Das Wissen Dein zu sein, heiliger als Deine Nähe.
Würde es wanken, würde ich zerbrechen."
~Sabine Gärtner~

Ein herrlicher, sonniger Tag neigt sich dem Ende. All meine Liebe ging heute an die Kronen meiner Bäume und Sträucher, die wohl noch eine Weile gegen den Sturm da draußen ankämpfen werden. Doch noch, ist es ruhig, in meinem Garten. Doch zwischendurch, wenn der Wind den Blättern eine Verschnaufpause gönnte, konnte ich es hören. Erst war ich mir nicht sicher, dachte mich verhört zu haben. Ein leises, hohes Tröten, noch weit entfernt. Doch später am Tag hörte ich es deutlicher. Ich lauschte. Ob das Hannes, meine Nilgans war? In letzter Zeit verbrachte er viele Stunden in meinem Garten und war mir ein gern gesehener Gast. Doch als ich mich umschaute, sah ich ihn in der Nähe des Teiches sitzen. Er war es also nicht, der aus der Ferne rief. Am Abend zog ich mich auf die Veranda zurück, nahm mir ein Buch und versank darin. Bis ich von einem lauten Tröten, gefolgt von hektischem Flügelschlagen und einem Platscher aufgeschreckt wurde. Ich sprang auf und blickte in den Garten. Es war bereits dunkel, die Sonne bildete nur noch einen schmalen Streifen am Horizont. Meine Augen brauchten etwas, um sich nach dem Lesen unter der Tischlampe an die Dunkelheit zu gewöhnen. Ich starte Richtung Teich, hörte das sanfte Platschen auf dem Wasser und dann wieder ein Tröten. Diesmal leiser, unaufgeregter. Bis ich ihn sah. Er schwamm inmitten meines Teiches, zwischen den bereits erblühten Seerosen und reckte seinen langen Hals in die Nachtluft ehe er sich mit ausgebreiteten Flügeln aufrichtete und sich schüttelte. Ich wich zurück. Sein Anblick zog einen Schraubstock um meine Brust. Ich hoffte noch, er würde nur kurz Rast machen, doch dann schob er seinen roten Schnabel unter seinen schwarzen Flügel und mir war klar, er würde bleiben. Der Trauerschwan. Er ist hübsch anzusehen, manchmal sehe ich ihn sogar ganz gerne. Doch wenn er bleibt, scheucht er mir nur die Fische auf.

Du fehlst mir. Auch wenn ich das nicht gerne zugebe. Auch wenn ich wahrscheinlich nicht einmal das Recht dazu habe. Und doch, fehlst Du mir.
In den letzten Wochen habe ich immer seltener an unseren Abschied denken müssen. Die Erinnerung an Dich verblasst. Doch an manchen Tagen, da packt es mich plötzlich. Da sehe ich Dich wieder ganz klar vor mir, kann den Klang deiner Stimme hören, sogar Dein Lachen. Dich nicht mehr zu sehen, nichts mehr von dir zu hören, nicht einmal ein Wort von Dir zu lesen, schmerzt.
Es besser so ist… aber es tut weh. Nicht mehr jeden Tag, auch nicht jeden zweiten, aber wenn der Schmerz kommt, dann ist es so, als wäre es gestern gewesen, dass ich Dir in die Arme fiel. Ein kurzer Moment, in dem ich mich nicht unter Kontrolle hatte, in dem mir alles um uns herum egal war. Und dann ließ ich Dich los, drehte mich um und lief davon. Die Tränen in meinen Augen, wollte ich Dir nicht zeigen.
Ich habe nicht das Recht, Dir nachzutrauern. Du bist nicht mein. Bist es nie gewesen. Und doch, ist da dieser Schmerz in meiner Brust. Er zieht sich wie ein Klammergriff um mein Herz. Warum gerade jetzt, wo meine Tage so sorglos sind? Fehlt mir die Ablenkung, um Dich zu vergessen? Wie oft habe ich in der letzten Zeit zu meinem Handy gegriffen, wollte Dir schreiben, wollte Deine Worte lesen… Dein Lachen hören. Aber es ist besser so… ich weiß…
Und am Ende, will ich Dich nicht hören… Zu groß ist meine Angst, dass ich Dir nicht so fehle, wie Du mir. Dass ich Dir nicht bedeute, was Du mir bedeutest. Noch kann ich es mir einreden. Kann mir sagen, dass ich für Dich etwas Besonderes war. Doch ein Wort von Dir und mein Konstrukt könnte zerbrechen. Was hätte ich dann? Nichts mehr als einen Scherbenhaufen. Ein Scherbenhaufen aus Gefühlen. So erstarre ich lieber hier in meiner Sehnsucht und in meinem Schmerz. Doch mit einem Schatz in der Hand, den zu hüten mir mehr bedeutet als Deine Nähe. Die Ahnung, wie es ist, für jemanden etwas Besonderes gewesen zu sein…

Ich begann den Beitrag bereits gestern Abend… klappte den Laptop dann aber wieder zu. Der zweite Versuch dann heute Morgen… „ach ich könnte doch noch….“ und plötzlich war so viel anderes zu tun. Nun also der dritte Versuch. Ich sitze in der Sonne, lächle in mich hinein und spüre dort das kleine ängstliche Kind, das sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen will. Ich nehme es in Gedanken in den Arm, wiege es sanft hin und her, streiche ihm mit meiner Hand die Haare aus der Stirn und flüstere ihm beruhigende Worte ins Ohr. Doch sein Herz lässt sich nicht beruhigen. Hektisch schlägt es gegen die kleine Brust, als wollte es das kleine Kind warnen, wie ein Kinobesucher der in meinem Thriller aufspringen und rufen will „Nein! Geh nicht da rein! Da drin wartet der Mörder!“. Manchmal, ist das Leben wie im Kino. Sowie jede junge Blondine in Unterwäsche einen Mörder im Kleiderschrank hat, so hat auch jeder Mensch seinen Mörder in einem Schrank im Kopf. In einem Schrank, den er gerne zulassen möchte, denn anders als die Blondine, weiß er was ihn da erwartet.
Es nutzt nichts. Ich habe mir vorgenommen, mich auseinanderzunehmen, meine Psyche zu sezieren. Und das geht nun mal nicht, wenn ich den Schrank verschlossen lasse. Ich weiß nicht, wohin mich dieser Beitrag führt, was der Mörder in dem Schrank tun wird, wenn ich ihn heraus lasse. Ich weiß nicht mal, ob ich diesen Beitrag überhaupt zu Ende schreiben werde. Aber ich fange zumindest schon mal an…

Paarbeziehung…. bitte was?

Okay, es geht also heute um das Thema Beziehungen. Aber leider nicht um Beziehungen zu Familie oder Freunden, sondern um Paarbeziehungen. Schade, denn bei ersteren beiden könnte ich mehr zu sagen. Nun gut, also Paarbeziehungen. Tja, da kann ich nicht mitreden. Warum nicht? Weil ich eigentlich nie eine hatte. Zumindest nie etwas Ernstes. Also was haben wir da auf meiner Strichliste? Teenagerlieben zählen nicht… 3 Monate mit einem Arschloch irgendwie auch nicht… Ja also wie gesagt, ich kann da nicht mitreden. Wenn es aber um das Verliebtsein geht, dann kann ich sehr wohl wieder mitreden. Das Gefühl kenne ich! Ich weiß also, wie es ist, in jemanden verliebt zu sein. Ob ich auch weiß wie es ist, jemanden zu lieben? Also wenn hier Familie, Freunde und Haustiere zählen…? Nein? Also gut… dann weiß ich nicht, wie das ist, jemanden zu lieben. Ob ich weiß, wie es ist, geliebt zu werden? Nein… auch das weiß ich nicht. Ich bin Mitte 30… und ich weiß nicht wie es sich anfühlt zu lieben oder geliebt zu werden. Ich habe eine Ahnung davon, ja, aber ich kann diese Ahnung mit keinen Erfahrungswerten festigen. Dabei war ich schon oft verliebt, auch schon mal ganz schön doll. Auch in mich war so mancher verliebt und hat mir den Hof gemacht. Doch getraut, habe ich denen nie. Die Vorstellung, einem Menschen so sehr zu vertrauen, dass er mir so nah kommen könnte, psychisch und physisch, versetzt mich in Panik. Nie könnte ich mich jemandem so schutzlos ausliefern! Das kleine Kind in meinen Armen schreit panisch auf. Es tobt, schlägt um sich, wird wütend und schlägt auch auf mich ein. Ich lass es los. Lass es sich wieder in seiner Ecke verkriechen. Ich will ihn nicht öffnen, den Schrank mit dem Mörder.

Gut, sehen wir den dritten Versuch als ebenfalls gescheitert an.

Am Morgen ist er nicht mehr da, der Trauerschwan. Aber meine Fische, die sind noch unruhig…

2 Gedanken zu “Der Besuch des Trauerschwans

  1. Ui, das ist hart und du wirst es nicht glauben, ich kenne das. Mir ging es genauso. Jetzt bin ich alt und mache Frieden mit meinem Leben. das war auch hart, denn gehofft habe ich bis vor Kurzem, dass ich einem Partner begegne, der mich so liebt, wie ich bin. Jetzt ist Frieden in mir. Das innere Kind zu lieben und zu trösten ist wohl heilend. Alles Gute und Segen.

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